NYU Langone Health zählt zu den großen akademischen Klinik- und Forschungszentren der Vereinigten Staaten. Ein Team aus dessen Fachbereich für Bevölkerungsgesundheit hat nun untersucht, wie Menschen Cannabis konsumieren – und ob sich aus der Art des Konsums Rückschlüsse auf ein erhöhtes Suchtrisiko ziehen lassen. Das zentrale Ergebnis der am 8. August in der Fachzeitschrift Addictive Behaviors veröffentlichten Studie: Wer die Droge in nahezu jeder verfügbaren Form nutzt, gehört zu jener Gruppe, die am häufigsten täglich konsumiert und Anzeichen einer Abhängigkeit zeigt. Rund jeder siebte Konsument fällt in diese Kategorie.
- Laut Studie nutzen 14 Prozent der Konsumenten Cannabis in nahezu allen Formen – die sogenannte polymodale Gruppe.
- Etwa 67 Prozent dieser Gruppe zeigen Anzeichen einer Cannabis-Konsumstörung, gegenüber 36 Prozent bei reinen Rauchern.
- Die Auswertung beruht auf Daten von 17.732 Erwachsenen aus einer nationalen US-Gesundheitsbefragung 2022–2023.
Cannabis kann geraucht, verdampft („gevapt“), gegessen oder „gedabbt“ werden – beim Dabbing werden Konzentrate erhitzt und die Dämpfe inhaliert. Nach aktuellen Befragungsdaten hatten in den USA rund 43,8 Millionen Menschen ab zwölf Jahren – mehr als 15 Prozent – in den vergangenen 30 Tagen Cannabis konsumiert.
Vier Konsumtypen zeichnen sich ab
Die Forschenden werteten die Angaben von 17.732 Erwachsenen aus, die im Rahmen der „National Survey on Drug Use and Health“ 2022–2023 Cannabiskonsum im Vormonat angegeben hatten. Mit einem statistischen Verfahren, das Teilnehmende nach ihren Mustern gruppiert, ergaben sich vier Typen: 48 Prozent rauchten überwiegend, 21 Prozent rauchten und vapten, 17 Prozent griffen vor allem zu essbaren Produkten, und 14 Prozent – die polymodale Gruppe – nutzten Cannabis in nahezu jeder Form.
Der tägliche Konsum unterschied sich deutlich: Etwa die Hälfte der polymodalen Gruppe konsumierte jeden Tag, gegenüber 28 Prozent bei den Rauchern, 31 Prozent bei den Rauchern-und-Vapern und rund 13 Prozent bei den Edibles-Nutzern.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von Cannabis in mehreren Formen ein Warnsignal für stärkeren Gebrauch und Suchtsymptome sein kann“, sagte Studienleiter Omar El-Shahawy.
Patienten nicht nur zu fragen, ob sie Cannabis nutzen, sondern wie, könne Ärztinnen und Ärzten helfen zu erkennen, wann eine ausführlichere Abklärung sinnvoll sei, so El-Shahawy.
Wer zu welcher Form greift
Die Konsumtypen unterschieden sich auch demografisch. In der Gruppe der Raucher-und-Vaper sowie in der polymodalen Gruppe war fast jeder Dritte ein junger Erwachsener zwischen 18 und 25 Jahren – gegenüber etwa jedem Sechsten bei den reinen Rauchern. Mehr als die Hälfte der Edibles-Gruppe waren Frauen, und essbare Produkte waren besonders unter Hochschulabsolventen verbreitet. Warum die Menschen sich für eine bestimmte Konsumform entscheiden, untersuchte die Studie nicht.
Überschneidung mit dem Zigarettenrauchen belastet die Lunge
Ein weiteres Ergebnis: Wer Cannabis rauchte, rauchte häufiger auch Zigaretten als jene, die vor allem vapten oder aßen. Sowohl beim Zigaretten- als auch beim Cannabisrauch entsteht durch Verbrennung ein breiteres Spektrum an Chemikalien, das die Lunge belastet. „Diese Untergruppe atmet ein größeres Spektrum an Chemikalien über die Verbrennung ein, ihre Lunge ist gefährdet“, sagte Seniorautor Joseph J. Palamar.
Was das für Aufklärung und Konsumenten bedeutet
Öffentliche Gesundheitsbotschaften konzentrierten sich noch immer stark auf das Rauchen, obwohl Cannabis heute auf vielfältige Weise konsumiert werde, so El-Shahawy. Für jüngere Erwachsene heiße das, über die Risiken des Vapens und des kombinierten Konsums zu sprechen; für Menschen, die essbare Produkte bevorzugen, laute die Botschaft „start low and go slow“, da die Wirkung verzögert einsetze.
Die Autoren betonen die Grenzen ihrer Arbeit: Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften, ein Teil des Konsums könnte untererfasst sein, und ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang lässt sich aus der Untersuchung nicht ableiten. Für Leserinnen und Leser bedeutet das: Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen breitem Konsummuster und Suchtsymptomen – sie beweist nicht, dass die eine Ursache die andere ist.
Sollte in der Suchtberatung künftig gezielter danach gefragt werden, in welcher Form Cannabis konsumiert wird? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































