Kalifornien führt als erster US-Bundesstaat verbindliche Effizienzvorgaben für Ersatzreifen ein. Die Energiekommission des Staates (California Energy Commission, CEC) stimmte dem Regelwerk einstimmig zu. Ziel ist es, dass nachgekaufte Reifen im Schnitt mindestens so effizient sind wie jene, die die Hersteller ab Werk montieren. Die erste Stufe tritt 2029 in Kraft. Die Behörde erwartet dadurch einen geringeren Kraftstoffverbrauch und niedrigere Treibhausgasemissionen. Für Autofans gibt es Entwarnung: Spezielle Kategorien wie extrem griffige Rennreifen wurden nach Rücksprache mit Enthusiasten-Verbänden von der Regelung ausgenommen.
- Die kalifornische Energiekommission beschloss einstimmig Effizienzstandards für Ersatzreifen.
- Phase 1 gilt ab 2029, Phase 2 ab 2033 – mit Mehrkosten von rund 1,50 bzw. 6,50 US-Dollar pro Reifen.
- Rennreifen, große Offroad-Reifen, Motorradreifen und bestimmte Winterprodukte sind ausgenommen.
Im Zentrum der Vorschrift steht der Rollwiderstand – also die Energie, die ein Reifen verliert, während er sich beim Abrollen verformt. Ersatzreifen können weniger effizient sein als die Erstausrüstung, was den Verbrauch eines Verbrenners oder die Reichweite eines Elektroautos verschlechtert. Genau hier setzt Kalifornien an.
Zwei Stufen mit steigenden Mehrkosten pro Reifen
Das Regelwerk kommt in zwei Phasen. Phase 1 läuft von 2029 bis 2033. Für diesen Zeitraum schätzt die CEC die Mehrkosten auf lediglich 1,50 US-Dollar (rund 1,30 Euro) pro Reifen. Phase 2 beginnt 2033 und erhöht den geschätzten Aufschlag auf 6,50 US-Dollar (rund 5,60 Euro) pro Reifen.
Trotz dieser höheren Anschaffungskosten rechnet Kalifornien damit, dass Autofahrer unter dem Strich profitieren. Die Behörde prognostiziert jährliche Einsparungen bei Benzin und Strom von knapp einer Milliarde US-Dollar (rund 850 Millionen Euro) sowie eine jährliche CO2-Reduktion von zwei Millionen Tonnen. Ein typischer Fahrer eines Benziners könne über die Lebensdauer eines Reifensatzes 179 US-Dollar (rund 165 Euro) an Kraftstoff sparen – gerechnet mit einem Benzinpreis von 4,60 US-Dollar pro Gallone.
Reifenbranche warnt vor Kosten und billigen Importen
Nicht alle begrüßen den Schritt. Vertreter der Reifenindustrie warnen vor höheren Kosten, Schwierigkeiten bei der Durchsetzung und günstigen, nicht regelkonformen Importen. Laut der „New York Times“ erfüllen derzeit nur rund 30 Prozent der Reifen jene Standards, die Kalifornien bis 2033 durchsetzen will. Das deutet darauf hin, dass die Branche einen erheblichen Teil ihres Angebots umgestalten müsste, um weiterhin im Bundesstaat verkaufen zu dürfen.
Rennreifen und Spezialpneus bleiben ausgenommen
Von einem Verbot von Performance-Reifen kann keine Rede sein. Die Vorschriften enthalten eigene Kategorien für Ultra-High-Performance-Gummi und weitere ungewöhnliche Anwendungen. Besonders griffige Rennreifen erhielten nach Angaben von „The Drive“ eine Ausnahme, die in Abstimmung mit Enthusiasten-Gruppen entstand. Auch große Offroad-Reifen, Motorradreifen und bestimmte auf den Winter ausgerichtete Produkte fallen nicht unter den Standard.
Ganz folgenlos bleibt die Regel für Autofans dennoch nicht. Einige leistungsstarke Sommerreifen, die nicht extrem genug sind, um als Rennreifen zu gelten, könnten in Schwierigkeiten geraten. Und alles, was Hersteller nicht wirtschaftlich neu entwickeln können, könnte schlicht aus den kalifornischen Regalen verschwinden.
Wichtig zu wissen: Die Regelung – erstmals bereits 2003 angedacht – bestimmt, welche Ersatzreifen im Bundesstaat verkauft werden dürfen, nicht, was Besitzer an ihr Auto montieren.
Wer in Kalifornien lebt, muss also nicht befürchten, dass ihm seine Wochenend-Reifen weggenommen werden. Und niemand hindert einen daran, einen Ausflug ins benachbarte Nevada zu machen und mit Reifen zurückzukehren, die im Heimatstaat nicht mehr erhältlich sind.
Für deutsche Leser ist der Vorgang vor allem als Signal interessant: Kalifornien gilt seit Langem als Vorreiter bei Umweltauflagen im Verkehr, und Effizienzvorgaben für Reifen existieren mit dem EU-Reifenlabel auch in Europa bereits in anderer Form. Ob und wie stark der kalifornische Ansatz das internationale Angebot beeinflusst, wird sich zeigen.
Würden Sie für effizientere Ersatzreifen einen kleinen Aufpreis zahlen, wenn Sie langfristig beim Sprit sparen – oder halten Sie solche Vorgaben für überzogen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.































