OnePlus, lange als Anbieter sogenannter „Flaggschiff-Killer“ bekannt, hat im Juli seinen Rückzug aus Nordamerika und Europa bestätigt. Ein Großteil des Sortiments ist auf der eigenen Website inzwischen nicht mehr verfügbar, über Händler wie Amazon lassen sich Smartphones und Audiozubehör der Marke aber weiterhin kaufen. Für bestehende Geräte verspricht das Unternehmen weiterhin Software- und Kundendienst-Support. Zugleich steht die wohl größte Änderung bevor: Wer künftig neuere Android-Versionen nutzen möchte, soll von OnePlus‘ hauseigenem Betriebssystem OxygenOS auf ColorOS wechseln – die Oberfläche der Schwestermarke Oppo. Für viele Interessenten stellt sich damit die Frage, ob sich ein Neukauf überhaupt noch lohnt.
- OnePlus zog sich im Juli aus Nordamerika und Europa zurück.
- Bestehende Geräte erhalten laut Unternehmen weiterhin Software- und Garantie-Support.
- Für neuere Android-Versionen ist ein Wechsel von OxygenOS zu Oppos ColorOS vorgesehen.
- OnePlus 15 und 15R sollen vier große Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitspatches bekommen.
Was hinter dem Rückzug steckt
Der Schritt kam nach monatelangen Gerüchten. OnePlus hatte sich in den vergangenen Generationen den Ruf zurückerobert, viel Leistung zu einem vergleichsweise niedrigen Preis zu bieten. Das jüngste Modell, das OnePlus 15, wurde in Tests bis auf die Kameras kaum kritisiert. Zum Preis von 900 US-Dollar (etwa 830 Euro) liefert es einen hellen OLED-Bildschirm, den Snapdragon-8-Elite-Gen-5-Prozessor, sehr schnelles 120-Watt-Laden und eine flotte Software – ein Paket, das laut Testbericht in dieser Kombination schwer zu finden ist.
Doch mit dem Marktausstieg verliert genau dieses Wertversprechen an Gewicht. Wer sich für ein Smartphone entscheidet, kauft sich zugleich in ein Ökosystem ein – und ein Ökosystem, dessen regionale Zukunft offen ist, lässt sich schwerer rechtfertigen.
Der Abschied von OxygenOS wiegt besonders schwer
Neben der reinen Hardware galt die Software stets als größte Stärke der Marke. Das erste Modell, das OnePlus One, startete noch mit dem stark von der Community geprägten CyanogenMod, bevor das Unternehmen mit OxygenOS eine eigene Android-Variante entwickelte. Diese war für ihre schlanke, schnelle und zugleich stark anpassbare Oberfläche bekannt.
Genau dieser Markenkern verschwindet nun: Wer neuere Android-Versionen erleben will, soll auf ColorOS umsteigen – dieselbe Oberfläche, die Oppo nutzt.
In der Praxis fällt der Bruch weniger dramatisch aus, als er zunächst klingt. OxygenOS und ColorOS teilen sich seit 2021 dieselbe Codebasis und ähneln sich inzwischen stark. ColorOS bringt allerdings etwas mehr vorinstallierte Zusatzsoftware mit, und einige der kleinen Extras, die OnePlus‘ Android-Variante ausmachten, könnten wegfallen. Nachvollziehbar, dass langjährige Nutzer den Wechsel mit Frust aufnehmen.
Was Käufer jetzt beachten sollten
Für die noch erhältlichen Geräte gibt OnePlus konkrete Zusagen: Das OnePlus 15 und das OnePlus 15R sollen vier große Android-Updates sowie sechs Jahre Sicherheitspatches erhalten. Kundendienst läuft über die OnePlus-Support-Website, bestehende Garantieverpflichtungen will das Unternehmen weiter einlösen.
Ein Vorteil bleibt: Anders als etwa Apple bindet OnePlus seine Nutzer nicht streng an das eigene Ökosystem. Wer zu einem Gerät greift und zusätzlich OnePlus Buds oder eine OnePlus Watch nutzt, kann das Zubehör auch mit anderen Android-Smartphones koppeln, ohne wesentliche Funktionen zu verlieren.
Unterm Strich lässt sich der Kauf eines – womöglich letzten – OnePlus-Smartphones weiterhin einrichten, sofern man mit dem künftigen Umstieg auf ColorOS leben kann. Für die meisten Interessenten dürfte der Rückzug aus Europa allerdings ein gewichtiges Argument sein, sich anderweitig umzusehen: Ein starkes Gerät nützt wenig, wenn die langfristige Perspektive der Marke im eigenen Markt unklar bleibt.
Würden Sie nach dem Europa-Rückzug noch ein OnePlus-Smartphone kaufen – oder ist der Wechsel weg von OxygenOS für Sie ein Ausschlusskriterium? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung.































