Die US-Marine hat einen neuen Flugzeugträger in den Nahen Osten verlegt und damit die Ablösung eines Schiffes eingeleitet, das seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Das US-Zentralkommando (CENTCOM), das für die amerikanischen Militäroperationen in der Region zuständig ist, bestätigte am Donnerstag, dass die Trägerkampfgruppe um die USS George Washington ihren Einsatzbereich am Mittwoch erreicht habe. Der Verband soll die USS Abraham Lincoln ablösen, die seit mehr als 270 Tagen ohne Hafenstopp auf See ist und deren Besatzungszustände in den USA zu einem politischen Streitthema geworden sind. Nach Angaben von CENTCOM handelt es sich um eine planmäßige Verlegung.
- Die USS George Washington traf laut CENTCOM am Mittwoch im Einsatzgebiet ein und soll die USS Abraham Lincoln ablösen.
- Die Lincoln ist seit über 270 Tagen ohne Hafenstopp im Einsatz – laut einem der Berichte ein US-Marinerekord.
- An Bord der Lincoln befinden sich rund 5.000 Seeleute und Marineinfanteristen; Berichte schildern Versorgungsprobleme und psychische Belastungen.
Die USS George Washington ist ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse und der einzige Träger der US-Marine, der dauerhaft im japanischen Voraushafen stationiert ist. Solche Trägerkampfgruppen bilden das Kernstück amerikanischer Machtprojektion: Um den Träger gruppieren sich Kreuzer, Zerstörer und Versorgungsschiffe. CENTCOM nannte die Begleitschiffe nicht, doch die Marine hatte zuvor mitgeteilt, dass die George Washington bei einem Hafenbesuch in Vietnam vom Lenkwaffenkreuzer USS Robert Smalls (Ticonderoga-Klasse) und dem Lenkwaffenzerstörer USS Shoup (Arleigh-Burke-Klasse) begleitet wurde.
Der Westpazifik bleibt vorerst ohne US-Träger
Mit dem Abzug aus Japan steht der US-Marine derzeit kein Flugzeugträger im Westpazifik zur Verfügung – und das, obwohl Washington der Region strategisch besonderes Gewicht beimisst und dort dem militärischen Auftreten Chinas begegnen will. Diese Verschiebung verdeutlicht, wie stark die verlängerten Einsätze im Nahen Osten die Kräfte der Marine binden.
Im Nahen Osten stößt die George Washington zum Flugzeugträger USS George H.W. Bush und weiteren Kriegsschiffen, darunter das amphibische Angriffsschiff USS Boxer der Wasp-Klasse.
Wie die Lincoln zum Streitfall wurde
Die USS Abraham Lincoln hatte ihren Heimathafen San Diego im vergangenen November verlassen und war zunächst vor der Küste Venezuelas eingesetzt worden. Nach Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran am 28. Februar wurde sie umgeleitet. Laut einem der Berichte stellte sie damit einen US-Marinerekord für den längsten Einsatz ohne Hafenstopp auf.
In diesem Monat häuften sich Berichte über die Zustände an Bord des Schiffes, das rund 5.000 Seeleute und Marineinfanteristen beherbergt. Beschrieben werden knappe Lebensmittel- und Hygienevorräte sowie Wartungsprobleme durch die lange Zeit auf See. Angehörige mehrerer Besatzungsmitglieder schilderten US-Medien zudem die psychische Belastung der Mission; einigen Berichten zufolge sollen einzelne Matrosen versucht haben, über Bord zu gehen.
Mehrere demokratische Abgeordnete forderten Aufklärung und werteten die Lage als Beleg für eine mangelhafte Planung des Krieges, der sich nach fast sechs Monaten zu einem zermürbenden, asymmetrischen Konflikt entwickelt habe.
Regierung weist die Vorwürfe zurück
Verteidigungsminister Pete Hegseth kritisierte die Medienberichterstattung über die Lincoln scharf, nannte die Medien „schamlos“ und „rücksichtslos“ und warf ihnen vor, die Zustände an Bord absichtlich falsch darzustellen. Auch Präsident Donald Trump wies die geschilderten Sorgen zurück und erklärte vergangenen Freitag, die Lincoln werde „durch ein sehr ähnliches Schiff ersetzt“.
Der amtierende Marinestaatssekretär Hung Cao erklärte, die Besatzung der Lincoln habe ihren Einsatz „gemeistert“ und werde im Rahmen einer geplanten Rotation bald nach Hause zurückkehren. „Die Sicherheit unserer Seeleute und Marineinfanteristen steht immer an erster Stelle“, so Cao. Ein CENTCOM-Sprecher wollte nicht bestätigen, ob sich die Lincoln noch im Nahen Osten befindet; Flottentracker verorteten sie am Montag weiterhin in der Region.
Blockade läuft weiter, neue Sanktionsdrohungen aus Washington
Seit Wochen haben die USA und Iran keine gegenseitigen Angriffe mehr ausgetauscht. Die amerikanischen Streitkräfte setzen jedoch weiterhin eine Seeblockade gegen den Schiffsverkehr von und zu iranischen Häfen durch, während die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran festgefahren bleiben. Ein Memorandum of Understanding, das ein dauerhafteres Kriegsende finden sollte, lief nach Angaben einer Quelle am Montag aus.
Am Donnerstag kündigte Trump zudem eine nach seinen Worten „vernichtende Wirtschaftsoperation“ gegen Iran an. Jedes Land, das Geschäfte mit Iran mache, werde „enorme wirtschaftliche Konsequenzen“ tragen, sagte er und sprach von einem „wirtschaftlichen D-Day“. Irans Außenminister Abbas Araghchi bezeichnete die Ankündigung als Ablenkungsmanöver, das den USA „eine weitere Niederlage“ bescheren werde.
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