Chinas Marktaufsichtsbehörde greift bei versenkbaren Türgriffen durch – und trifft dabei vor allem Tesla. Insgesamt rufen elf Autohersteller nach einem Bericht von Reuters knapp 4,3 Millionen Fahrzeuge zurück, weil sich Insassen oder Rettungskräfte nach einem Unfall womöglich schwertun, die mechanischen Notentriegelungen zu finden und zu bedienen. Es ist der bislang größte Autorückruf in der Geschichte des Landes. Auf Tesla entfällt mit rund 2,98 Millionen betroffenen Model 3, Model Y, Model S und Model X der weitaus größte Anteil – sowohl in China gebaute als auch importierte Wagen. Die Aktion des Konzerns soll am 25. September beginnen.
- Elf Hersteller rufen in China fast 4,3 Millionen Fahrzeuge zurück – der größte Rückruf des Landes.
- Auf Tesla entfallen rund 2,98 Millionen Autos; der Start ist für den 25. September geplant.
- Grund sind mechanische Notentriegelungen, die laut Behörde nicht deutlich genug erkennbar sind.
- Tesla will Warnhinweise anbringen und per Update die Fenster nach einem Unfall automatisch öffnen lassen.
Der Kern des Problems steckt in einem einzigen Bauteil
Tesla hat die Technik der elektrisch ein- und ausfahrenden Türgriffe weltweit populär gemacht, zahllose Konkurrenten zogen mit den bündig in der Karosserie verschwindenden Griffen nach. Der Haken zeigt sich im Ernstfall: Bricht nach einem schweren Unfall die Stromversorgung zusammen, funktionieren die elektrischen Öffner nicht mehr. Dann sind die Insassen auf mechanische Notgriffe angewiesen – und genau diese sind laut chinesischer Behörde in einigen Tesla-Modellen nicht deutlich genug gekennzeichnet.
Wenn im Notfall jede Sekunde zählt, kann eine schwer auffindbare Entriegelung über Leben und Tod entscheiden.
Tesla will die betroffenen Fahrzeuge mit zusätzlichen Warnhinweisen versehen, die die mechanischen Griffe kenntlich machen. Zusätzlich soll ein Over-the-Air-Update dafür sorgen, dass sich die Fenster nach einer Kollision automatisch absenken – ein weiterer möglicher Weg hinein oder hinaus für Insassen und Rettungskräfte. Nach den Reuters-Angaben rüsten neun der elf Hersteller Warnetiketten nach, die meisten bereiten zudem Software-Änderungen vor.
Warum die Behörden die Geduld verlieren
Die Debatte ist nicht neu. In China gab es mehrere Fälle, in denen Elektroautos nach Unfällen in Brand gerieten und Helfer die Türen nicht öffnen konnten, um Eingeschlossene zu befreien. In einem Fall starb der Fahrer eines Wagens der Marke Xiaomi, nachdem sein Auto nach einem Unfall Feuer gefangen hatte und die Türen blockiert waren.
Bereits in der ersten Jahreshälfte hatten die Behörden angekündigt, die Volksrepublik werde als erstes Land der Welt versenkbare Türgriffe verbieten. Die Regelung soll für neu verkaufte Autos ab dem kommenden Jahr gelten und schreibt mechanische Entriegelungen an Innen- und Außenseite aller Türen vor, die auch ohne Strom bedienbar sind. Der aktuelle Rückruf wirkt damit wie ein Vorgriff auf ein ohnehin auslaufendes Designkonzept.
Betroffen sind längst nicht nur Tesla und Xiaomi. Xiaomi ruft rund 390.000 Fahrzeuge zurück, Leapmotor etwa 371.000, Xpeng ungefähr 264.000; auch Geely ist beteiligt, dazu mehrere Hersteller mit kleineren Aktionen.
Ein zweiter Rückruf trifft die Fahrerüberwachung
Parallel muss Tesla in China rund 2,7 Millionen weitere Fahrzeuge wegen eines separaten Problems bei der Fahrerüberwachung nachbessern. Der bisherige Mechanismus erkennt bei aktivierter Fahrassistenz allein über das Lenkraddrehmoment laut Marktaufsicht nicht zuverlässig, ob der Fahrer den Blick von der Straße abwendet. Tesla will deshalb per Update zusätzlich die Innenraumkamera zur Überwachung heranziehen. Ein großer Teil der Fahrzeuge dürfte von beiden Aktionen betroffen sein.
Was das für Tesla und für Fahrer in Europa bedeutet
China ist der weltweit größte Automarkt und für Tesla nicht nur der wichtigste Absatzmarkt außerhalb der USA, sondern auch ein zentraler Produktionsstandort – ein Rückruf dieser Größenordnung wiegt entsprechend schwer. Für deutsche Autofahrer ist das Thema mehr als eine Randnotiz: Auch anderswo geraten die verdeckten Griffe unter Druck. In den USA hat die Verkehrsbehörde NHTSA das System ins Visier genommen, und der neue BMW iX3 erhält für den chinesischen Markt wegen der dortigen Vorschriften andere Griffe als die westliche Version. Es ist also gut möglich, dass sich das Design mittelfristig auch bei den Fahrzeugen auf europäischen Straßen ändert.
Tesla selbst signalisiert Offenheit für einen Umbau. Designchef Franz von Holzhausen sagte, man denke über einen Ansatz nach, der elektrische und manuelle Entriegelung in einem einzigen Knopf vereint: „Die Idee, den elektronischen und den manuellen Öffner zu einem Knopf zu kombinieren, ergibt aus meiner Sicht viel Sinn. Daran arbeiten wir.“
Bündige Optik oder schneller Ausstieg im Notfall – was ist Ihnen bei Türgriffen wichtiger? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren.































