Es ist nicht alltäglich, dass ein Live-Publikum für einen animatronischen Yeti in Jubel ausbricht. Doch bei Disneys Fan-Messe D23 in Anaheim (Kalifornien) ist das Publikum kein gewöhnliches: Vor rund 12.000 Fans kündigte Thomas Mazloum, Chef von Disney Experiences, am Samstagabend an, den Yeti der Attraktion Expedition Everest im Animal Kingdom von Walt Disney World „wieder zum Leben zu erwecken“. Die Ankündigung ist Teil einer breiter angelegten Strategie: Rund 60 Milliarden US-Dollar (etwa 55 Milliarden Euro) will der Konzern über ein Jahrzehnt hinweg in seine Erlebnissparte stecken – mit den treuesten Fans im Mittelpunkt.
- Disney plant Investitionen von rund 60 Milliarden US-Dollar in seine Parks, Kreuzfahrten und Konsumgüter über zehn Jahre.
- Der seit 2006 defekte Yeti der Attraktion Expedition Everest soll repariert werden.
- Die Erlebnissparte erzielte im dritten Geschäftsquartal fast 10 Milliarden Dollar Umsatz – ein Quartalsrekord.
Ein defekter Yeti wird zum Symbol der neuen Ausrichtung
Der Yeti in Expedition Everest galt bei seiner Enthüllung 2006 als größte und komplexeste Audio-Animatronik, die Walt Disney Imagineering je gebaut hatte. Doch schon nach wenigen Monaten fiel die Figur aus. Weil ihre Position in der fertigen Attraktion eine Reparatur erschwerte, versetzten die Imagineers sie in den sogenannten „B-Modus“: Ein Stroboskop-Effekt sollte Bewegung vortäuschen. Bei Fans wurde die stillstehende Figur seither liebevoll „Disco Yeti“ genannt. Nun soll sie ein zweites Leben erhalten.
Neben dem Yeti kündigte Mazloum die Rückkehr der beliebten Figuren Dreamfinder und Figment ins EPCOT in Florida sowie eine Überarbeitung des Tomorrowland in Kalifornien an. „Das klingt vielleicht nicht nach einer großen Sache, aber Dinge wie der Yeti oder Figment bedeuten den Menschen viel, weil sie mit diesen Geschichten aufgewachsen sind“, sagte er CNBC. „Sie sind klein, sie sind unmittelbar, aber sie sind bedeutungsvoll.“
Balance zwischen Großprojekten und gezielten Verbesserungen
Mazloum wurde Parkchef, nachdem Josh D’Amaro zum Disney-CEO ernannt worden war. Seine Aufgabe sieht er darin, die massiven Expansionspläne – neue Themenwelten auf Basis populärer Marken, die vor allem seltenere und internationale Besucher anziehen sollen – mit den gezielten Verbesserungen zu vereinbaren, die sich Jahreskarteninhaber und Stammgäste wünschen. „Unser Job ist es, genau zuzuhören und dann einen Weg zu finden, die unterschiedlichen Bedürfnisse zu harmonisieren“, sagte er.
Dass diese Strategie aufgeht, belegt Mazloum mit Zahlen: Im dritten Geschäftsquartal erzielte die Erlebnissparte fast 10 Milliarden Dollar Umsatz – ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ein Quartalsrekord.
Damit hebt sich Disney nach eigener Darstellung vom Wettbewerb ab. Konkurrent Comcast hatte zuletzt einen Rückgang der Besucherzahlen in seinen Themenparks gemeldet, besonders im Raum Orlando. „Wir sind in Florida extrem erfolgreich, wir laufen sehr gut hier in Kalifornien, weil wir genau zugehört und zur richtigen Zeit auf den richtigen Kunden reagiert haben“, sagte Mazloum.
D’Amaros erste D23 als Konzernchef
Für Josh D’Amaro war es die erste D23 als CEO. Er hatte Bob Iger vor fünf Monaten an der Konzernspitze abgelöst. „Es ist immer noch merkwürdig“, dass Menschen ihn CEO nennen, sagte er, „weil ich seit 30 Jahren hier bin“ – 1998 begann er in einer Einstiegsposition in Disneyland. Disney bezeichnete er als einzigartige Sammlung von Geschäftsfeldern, von ESPN über den Streamingdienst bis zu Filmen und Parks: „Es sieht so aus, als würden andere versuchen, wie Disney auszusehen. Bei uns gibt es das alles bereits.“
Iger als Disney Legend geehrt
Höhepunkt des Wochenendes war die Verleihung der Disney-Legends-Auszeichnungen im Honda Center. Geehrt wurde unter anderem Ex-CEO Bob Iger, gemeinsam mit einer Klasse, zu der Anne Hathaway, Dwayne Johnson, die Jonas Brothers, Lin-Manuel Miranda, Jerry Bruckheimer, Chris Berman, Susan Egan, Eric Goldberg, Kim Irvine und Alan Tudyk zählten. Die Ehrung fiel für Iger in eine ereignisreiche Woche: Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass er sich gemeinsam mit dem Investor Joshua Kushner an einer Übernahme der Los Angeles Lakers beteiligt. An seinen Nachfolger gewandt sagte Iger: „Josh, du trägst diesen Titel wirklich gut, und ich bin so stolz, dich meinen Nachfolger nennen zu dürfen.“
Welche der angekündigten Neuerungen würden Sie am ehesten zu einem Disney-Park locken – der reparierte Yeti, die Rückkehr von Figment oder das neue Tomorrowland? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.































