Aus Sorge vor einem erneuten Massenansturm haben Spanien und Marokko ihre Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zur spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta deutlich hochgefahren. Anlass sind Aufrufe in sozialen Netzwerken, am 15. August – einem spanischen Feiertag – erneut in großer Zahl die Grenze zu überwinden. Am Freitagabend bewachten spanische Soldaten in Kampfuniform Supermärkte und öffentliche Gebäude, Polizeifahrzeuge patrouillierten verstärkt auf den Hauptstraßen. Am Grenzübergang selbst blieb es am Morgen nach Berichten von Reportern und des Staatssenders RTVE zunächst ruhig. Beide Länder wollen verhindern, dass sich die dramatischen Szenen von Ende Juli wiederholen, als Zehntausende Menschen die Exklave erreichten.
- Nach Online-Aufrufen zu einem Massenansturm am 15. August verstärkten Spanien und Marokko ihre Sicherheitskräfte an der Grenze zu Ceuta.
- Ende Juli hatten mehr als 70.000 Menschen die Exklave erreicht, laut Madrid wurden 83 Leichen geborgen, NGOs sprechen von weit über hundert Toten.
- In Ceuta halten sich nach spanischen Angaben noch rund 5.000 Migranten auf; der Regionalpräsident spricht von bis zu 12.000.
In Ceuta ist die Polizeipräsenz auf den Straßen auffallend hoch. Nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska wurde das Kontingent der Nationalpolizei auf rund 880 Beamte aufgestockt – etwa 270 mehr als noch Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2.000 Soldaten und etwa 700 Beamten der Guardia Civil. Angehörige des Militärs wurden dafür aus dem Urlaub zurückbeordert.
Bereits nach dem Ansturm hatte Spanien eine Seebarriere errichtet und mehr als 500 zusätzliche Polizisten vom Festland entsandt – sie sollen so lange bleiben, wie es die Lage erfordert.
Marokko verwandelt den Grenzort Fnideq in eine Sicherheitszone
Vor allem auf der marokkanischen Seite wurden die Maßnahmen verschärft. In der Grenzstadt Fnideq, von deren Strand aus viele Migranten in Richtung Ceuta aufgebrochen waren, errichteten die Behörden laut RTVE zusätzliche Sperren aus Stachel- und Nato-Draht. Patrouillenboote überwachen die Küste, Fahrzeuge mit Wasserwerfern stehen an der Grenze bereit, auf den Zufahrtsstraßen gibt es zahlreiche Kontrollstellen. Dutzende schwarz gekleidete Sicherheitskräfte bewachten den Strand. Nach eigenen Angaben nahm das marokkanische Innenministerium zudem eine Gruppe fest, die verdächtigt wird, zu neuen illegalen Grenzübertritten angestiftet zu haben. Rabat kündigte an, Organisatoren und Teilnehmer strafrechtlich zu verfolgen.
Ende Juli erreichten Zehntausende schwimmend die Exklave
Der Ansturm vor gut zwei Wochen war beispiellos. Vor allem am 30. und 31. Juli gelangten nach verschiedenen Schätzungen zwischen mehr als 70.000 und bis zu 80.000 Migranten meist schwimmend nach Ceuta. Viele kamen dabei ums Leben: Nach jüngster offizieller Mitteilung Madrids wurden im Meer 83 Leichen geborgen, Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Toten auf weit über hundert. Die meisten Ankömmlinge kehrten laut spanischer Regierung binnen Stunden oder Tagen freiwillig nach Marokko zurück. Derzeit halten sich nach Angaben von Grande-Marlaska noch rund 5.000 Menschen in der Exklave auf, darunter viele Kinder und Jugendliche sowie Personen aus Konfliktzonen, die politisches Asyl suchen. Der Regionalpräsident von Ceuta nennt dagegen eine Zahl von bis zu 12.000.
Ceuta und die zweite spanische Exklave Melilla sind die einzigen Landgrenzen der EU auf dem afrikanischen Kontinent und damit seit Jahren ein Brennpunkt der Migration. Die Behörden haben nach Angaben des Ministers begonnen, die erwachsenen Migranten zu überprüfen; wer kein Bleiberecht hat, soll nach Marokko zurückgeführt werden. Bis zur „totalen Normalität“ werde es aber noch dauern, räumte Grande-Marlaska ein.
Der Ansturm belastet auch die EU
Die Ereignisse lösten Spannungen innerhalb der Europäischen Union aus. Italien setzte nach den Grenzübertritten die Anwendung des Schengenabkommens für Spanien aus – obwohl Ceuta gar nicht zum Schengenraum gehört. Bei einer Krisen-Videokonferenz drangen die EU-Innenminister am Dienstag auf ein härteres Vorgehen gegen Schleusernetzwerke und eine konsequentere Rückführungspolitik. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner bot Spanien finanzielle Nothilfe an, um den Schutz der Außengrenze in Ceuta weiter zu befestigen.
Ausgelöst wurde der Ansturm nach Darstellung der EU auch durch Falschinformationen in sozialen Medien – so kursierte die Behauptung, die Grenze werde „geöffnet sein“. Die Plattformen Meta und TikTok kündigten an, Inhalte zu Grenzübertritten künftig auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen zu lassen. Ziel sei es, so EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen, zu verhindern, dass kriminelle Netzwerke potenzielle Migranten mit Falschinformationen anlocken. In der Vergangenheit habe dies zu tragischen Todesfällen geführt.
Anwohner in Ceuta äußerten unterdessen Zweifel, dass die verschärften Grenzmaßnahmen die eigentliche Ursache treffen: die Gründe, aus denen junge Menschen bereit sind, ihr Leben für die Überfahrt zu riskieren.
Kann eine noch stärkere Absicherung der Außengrenzen die Fluchtbewegungen nach Ceuta wirklich stoppen – oder braucht es andere Antworten? Teilen Sie Ihre Einschätzung.































