„Es ist wahr“ – mit diesen Worten bekräftigte US-Präsident Donald Trump am Freitag eine seiner überraschendsten außenpolitischen Ankündigungen der vergangenen Monate. Bei einem Wahlkampfauftritt an einer Polizeiakademie in Garden City im US-Bundesstaat New York erklärte er vor einem Publikum aus Vertretern der Sicherheitsbehörden, er werde die strategisch wichtige Straße von Hormus zu amerikanischem Staatsgebiet machen. „Sobald wir Iran besiegt haben – der gerade eine vernichtende Niederlage erleidet –, werde ich die Hormus-Straße schon bald zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären“, sagte Trump mit einem Schmunzeln. Ob die Äußerung ernst gemeint war, blieb offen.
- Trump will die Straße von Hormus „bald“ zu US-Territorium erklären, führte den Plan aber nicht näher aus.
- Irans Vize-Außenminister Gharibabadi wies den Anspruch umgehend zurück: Die Meerenge lasse sich „weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger“ einnehmen.
- Eine 60-tägige Waffenruhe droht an diesem Wochenende ohne Verlängerung auszulaufen.
Teheran antwortet innerhalb von Stunden mit Trotz
Die Reaktion aus dem Iran ließ nicht lange auf sich warten. „Die Straße von Hormus lässt sich weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger, noch durch einen Befehl oder eine Wahlkampfrede einnehmen“, schrieb der iranische Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X. Der Iran fürchte weder Drohungen noch lasse er sich von Machtdemonstrationen einschüchtern. Die strategisch wichtige Meerenge werde ausschließlich unter der Kontrolle Teherans gesperrt oder freigegeben.
„Die Straße von Hormus lässt sich weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger einnehmen“ – so kontert Teheran die Ankündigung aus Washington.
Trump wirbt bei den eigenen Bürgern um Geduld an der Zapfsäule
In seiner Rede rief Trump die US-Bürger erneut dazu auf, etwas höhere Benzinpreise hinzunehmen. Es sei ein Preis wert, ein „sehr böses Land“ am Bau von Atomwaffen zu hindern. Die von den USA errichtete Seeblockade beschrieb er als undurchdringlich: „Kein Schiff kommt durch, außer wir wollen es.“ Zugleich stellte er den Kurs als Dienst an der Weltgemeinschaft dar. „Was wir tun, ist ein großer Dienst für die Welt, nicht nur für uns selbst“, sagte der Präsident.
Worum es in der Straße von Hormus geht
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt für Öl, Gas und Düngemittel. Vor Kriegsbeginn passierte rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen die Meerenge – ungehindert und frei von Gebühren. Nach dem Beginn des Krieges, den die USA und Israel nach übereinstimmenden Angaben am 28. Februar begannen, beeinträchtigte der Iran den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen empfindlich. Washington antwortete mit einer eigenen Marineblockade iranischer Schiffe und Häfen. Seither ringen beide Seiten monatelang um die Kontrolle – die Energiepreise schossen infolge des Krieges in die Höhe.
Geografisch ist die Lage heikel: An ihrer schmalsten Stelle misst die Straße nur etwa 39 Kilometer. Da sowohl Iran als auch Oman jeweils eine Zwölf-Seemeilen-Zone (rund 22,2 Kilometer) beanspruchen, überschneiden sich ihre Hoheitsgewässer. Internationale Gewässer existieren in diesem Abschnitt nicht – ein Umstand, der Trumps Vorstoß völkerrechtlich fragwürdig erscheinen lässt.
Ein bekanntes Muster – und ein innenpolitischer Zeitdruck
Öffentlich verkündete Annexionspläne sind fester Bestandteil von Trumps Außenpolitik. Ähnlich hatte er sich bereits mit Blick auf Venezuela, Kuba oder Grönland geäußert. Ob den Worten Taten folgen, ist offen. Erst vor einem Monat hatte Trump gedroht, in der Meerenge eine Maut zu erheben, kassierte diese Pläne kurz darauf jedoch wieder ein. Für den Iran hat sich die faktische Blockade der Meerenge unterdessen zum wohl wirksamsten Druckmittel gegenüber dem US-Präsidenten entwickelt.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist bemerkenswert: Eine auf 60 Tage angesetzte Waffenruhe droht an diesem Wochenende ohne Verlängerung auszulaufen. In einem Rahmenabkommen hatten Washington und Teheran vereinbart, dass der Iran während der Verhandlungen keine Gebühren verlangen darf; über das weitere Vorgehen soll der Iran mit Oman verhandeln. Eine Einigung ist bislang nicht bekannt.
Innenpolitisch steht Trump unter Druck. Der Krieg ist in den USA unpopulär, eine Quinnipiac-Umfrage von Ende Juli fand, dass 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler ein militärisches Vorgehen gegen den Iran ablehnen. In knapp drei Monaten stehen zudem die Zwischenwahlen zum US-Kongress an – hohe Spritpreise dürften den Republikanern dabei kaum nützen.
Hält Trump seine Ankündigung für ernst gemeint – oder für Wahlkampfrhetorik? Und wie sollte Europa auf die Machtprobe in der Straße von Hormus reagieren? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.































