Das US-Verteidigungsministerium hat am Freitag mehrere führende Mitarbeiter der Militärzeitung »Stars and Stripes« entlassen. Betroffen sind Chefredakteur Erik Slavin, der langjährige Herausgeber Max D. Lederer Jr. sowie die Nahost-Korrespondentin Lara Korte. Nach Angaben der Zeitung, die zum Teil vom Pentagon finanziert wird und deren Journalisten formell Angestellte des Ministeriums sind, wurde in den Kündigungsschreiben fehlender Gehorsam als Grund genannt. Ein Pentagon-Vertreter bestätigte die Kündigungen, das Ministerium selbst gab zunächst keine Stellungnahme ab. Die Betroffenen führen ihre Entlassung auf öffentliche Äußerungen zur Unabhängigkeit der Redaktion zurück.
- Chefredakteur Erik Slavin, Herausgeber Max Lederer und Reporterin Lara Korte wurden entlassen.
- Als Kündigungsgrund nannte das Pentagon Ungehorsam (»insubordination«).
- Die Betroffenen verweisen auf ein CBS-Interview über die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung.
Slavin machte für seine Entlassung ein Interview mit dem Sender CBS News verantwortlich, in dem er sich gegen mögliche Eingriffe des Pentagons in die Berichterstattung ausgesprochen hatte. Auf die Frage nach seinen »roten Linien« hatte er ein hypothetisches Beispiel genannt: »Veröffentlichen Sie nicht diesen absolut korrekten Bericht, sondern bringen Sie stattdessen diesen hier. Hier ist er, verfasst vom Pentagon.« Eine solche Anweisung wäre für ihn eine rote Linie.
»Ich stehe zu dem Grundsatz, dass Stars and Stripes redaktionell unabhängig bleiben muss – wie es das Gesetz und die eigenen Richtlinien des Ministeriums verlangen«, erklärte Slavin.
Auch Korte, die von Deutschland aus über den Nahen Osten berichtet, brachte ihre Entlassung mit ihren Aussagen in Verbindung. »Heute wurde mir mitgeteilt, dass das Verteidigungsministerium mich wegen Ungehorsams entlässt, nachdem ich einem CBS-Reporter gesagt hatte, dass ich für ›Stars and Stripes‹ arbeite – und nicht für das Pentagon, irgendeine Regierung oder politische Entscheidungsträger«, schrieb sie auf der Plattform X.
Der Herausgeber hatte seinen Rückzug bereits selbst angekündigt
Lederer, der seit 2007 als Herausgeber fungierte, war erst drei Tage vor der Kündigung mit der Ankündigung an die Öffentlichkeit getreten, Ende September in den Ruhestand zu gehen. Er begründete diesen Schritt damals selbst damit, dass sich seine Führungsphilosophie und sein »Verständnis für den Wert und den Auftrag« der Zeitung in »grundlegender Weise« von den Plänen unterschieden, die das Pentagon für die Publikation verfolge. Nun wurde er zusätzlich formell abgesetzt.
Kurz vor Lederers Ankündigung hatte das Ministerium den aktiven Marinekapitän William Urban als stellvertretenden militärischen Herausgeber installiert. Urban, der zuvor unter anderem als Pentagon-Sprecher tätig war, wertete den Schritt in einer auf der Website der Zeitung veröffentlichten Mitteilung nicht als Bedrohung: Er habe »mehrfache Zusicherungen« erhalten, dass man sich zur redaktionellen Unabhängigkeit bekenne, und es gebe »keine externen redaktionellen Beschränkungen« für die Journalisten. Demokratische Kongressmitglieder sahen in seiner Einsetzung dagegen eine mögliche Aushöhlung der Unabhängigkeit.
Warum diese Zeitung als Symbol der Pressefreiheit gilt
»Stars and Stripes« berichtet seit dem amerikanischen Bürgerkrieg über Militärthemen und erlangte im Zweiten Weltkrieg besondere Bedeutung als offizielles Nachrichtenorgan für im Ausland stationierte Soldaten. Die Zeitung richtet sich in erster Linie an US-Militärangehörige und erreicht nach eigenen Angaben zusammen mit ihren digitalen Kanälen bis zu 1,4 Millionen Menschen. Sie wird über den Haushalt des Verteidigungsministeriums mitfinanziert – nach Angaben aus den Berichten stammt etwa die Hälfte der Mittel vom Pentagon, der Rest aus Werbung und Abonnements –, wahrt aber traditionell ihre redaktionelle Unabhängigkeit.
Für deutsche Leserinnen und Leser ist die Zeitung nicht abstrakt: Ihre europäische Redaktionszentrale sitzt im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern, unweit des Luftwaffenstützpunkts Ramstein, an dem die größte US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten lebt.
Ein Streit, der sich seit Monaten zuspitzt
Die Kündigungen erfolgten nur wenige Tage, nachdem die Zeitung über prekäre Bedingungen für die Besatzung des Flugzeugträgers USS »Abraham Lincoln« berichtet hatte. Der monatelange Einsatz des Schiffes in der Nahost-Krisenregion und Berichte über unhaltbare Zustände an Bord hatten in den USA für Kritik gesorgt und erneut Kritik am Irankurs von Präsident Donald Trump ausgelöst.
Der Konflikt schwelt allerdings schon länger. Das von Pete Hegseth geführte Ministerium – das inzwischen offiziell »Kriegsministerium« heißt – hatte angekündigt, die Berichterstattung von »woken Ablenkungen« befreien und auf »warfighting« und »all things military« ausrichten zu wollen. Bereits im April war die Ombudsfrau der Zeitung, Jacqueline Smith, entlassen worden; sie hatte gegenüber CBS die Sorge geäußert, das Endziel sei die Umwandlung der Zeitung in eine »Propagandamaschine«.
Die Entlassungen fallen zudem in eine Phase wachsender Spannungen zwischen dem Pentagon und Teilen der US-Presse. Das Ministerium hatte den Zugang von Journalisten unter Trumps zweiter Amtszeit eingeschränkt und neue Vorgaben eingeführt. Mark Schoeff Jr., Präsident des National Press Club, kritisierte die Entlassung des Chefredakteurs: Die Pentagon-Führung mache damit deutlich, dass sie die Redaktion nicht als unabhängiges Medium im Dienst der Truppe, sondern als »Sprachrohr« für ihre eigenen Botschaften sehe.
Wie unabhängig darf eine staatlich mitfinanzierte Zeitung berichten – und wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Auftrag und Einflussnahme? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.































