Kseniya Kobets ist Fachärztin für Dermatologie und leitet den Bereich kosmetische Dermatologie an der Klinik Montefiore Einstein Advanced Care. Brendan Camp ist doppelt zertifizierter Hautarzt bei MDCS Dermatology. Gegenüber dem Männermagazin GQ erklären beide, was gegen das Sommerschwitzen wirklich hilft – und wo der Punkt erreicht ist, an dem hinter dem Schweiß mehr steckt als nur die Hitze. Ihre Kernbotschaft: Schwitzen lässt sich im Sommer nicht abstellen, aber mit der richtigen Routine und den passenden Produkten deutlich besser kontrollieren.
- Schweiß kühlt den Körper – wird aber zum Problem, sobald er in Kleidung und Haut Geruch bildet.
- Antitranspirant mit Aluminiumsalzen reduziert Schweiß, Deo überdeckt nur den Geruch.
- Bei krankhaft starkem Schwitzen (Hyperhidrose) gibt es medizinische Behandlungen wie Botox.
Steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, tut Schweiß genau das, wofür er gedacht ist: Er kühlt. Das Problem beginnt, wenn er durch das T-Shirt dringt, den Rücken hinunterläuft und mit der Zeit einen deutlichen Geruch entwickelt – der dann nicht mehr nur das eigene Problem ist, sondern auch das der Menschen im Umfeld.
Zweimal duschen – aber nicht jedes Mal mit vollem Programm
Für viele ist zweimaliges Duschen im Sommer selbstverständlich. Dr. Kobets rät jedoch, eine der beiden Duschen kurz zu halten – oft reicht dabei reines Wasser. Dr. Camp empfiehlt, in diesem schnellen Durchgang nur Achseln und Leiste einzuseifen, um sich zu erfrischen, ohne der Haut zu viel natürliches Fett zu entziehen. In der Hauptdusche des Tages kommen dann die stärker schwitzenden Zonen wie Rücken und Brust dazu.
„Man kann die verschwitzten Stellen gezielter behandeln und Arme und Beine gleichzeitig deutlich schonender pflegen“, sagt Dr. Kobets. Sie empfiehlt Duschprodukte mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen wie Glyzerin, Hyaluronsäure, Ceramiden und Sheabutter sowie eine leichte Lotion auf noch feuchter Haut.
Antitranspirant ist nicht dasselbe wie Deo
Ein häufiges Missverständnis: „Antitranspirantien enthalten Aluminiumsalze, die die Schweißmenge tatsächlich verringern, indem sie die Schweißdrüsen vorübergehend blockieren – Deodorants überdecken hauptsächlich den Geruch, stoppen aber nicht das Schwitzen“, erklärt Dr. Kobets.
Der beste Zeitpunkt zum Auftragen ist laut Dr. Camp nicht der Morgen, sondern der Abend – über Nacht dringt das Produkt besser in die Schweißdrüsen ein.
Wer trotzdem täglich mit Schweißflecken kämpft, kann ein Antitranspirant mit klinischer Stärke ergänzen: abends auf trockene Achselhaut auftragen, morgens abwaschen und dann das gewohnte Produkt verwenden.
Nachschub für unterwegs
Für den Tag über empfiehlt Dr. Kobets Produkte, die Feuchtigkeit aufnehmen – etwa Balsame, die zu unsichtbarem Puder trocknen, oder Puder mit Maisstärke, Pfeilwurzel und Kaolin-Tonerde. Auch ein Spray mit hypochloriger Säure hält sie für sinnvoll: Es stoppt das Schwitzen zwar nicht, wirkt aber antibakteriell und kann so den Geruch mindern.
Wann Schweiß eine medizinische Frage wird
Hier verläuft die wichtige Grenze: Wer bei 35 Grad schwitzt, ist normal. Wer dagegen sein Hemd bereits vor dem Mittag zweimal durchschwitzt, obwohl die Klimaanlage läuft, könnte an Hyperhidrose leiden – einer Erkrankung mit übermäßigem Schwitzen. Für Betroffene gibt es dann laut den beiden Fachleuten wirksame Behandlungen.
Botox etwa ist ein etabliertes Mittel gegen Hyperhidrose. „Botox dreht im Grunde den lokalen ‚Schweißschalter‘ herunter, indem es Acetylcholin blockiert“, so Dr. Kobets. In den USA ist es dafür nur für die Achseln zugelassen; Wirkung tritt nach ein bis zwei Wochen ein und hält etwa vier bis sechs Monate. Weitere Optionen sind Iontophorese, Mikrowellen-Thermolyse sowie spezielle Wirkstofftücher.
Dr. Camp nennt zudem Medikamente wie Glycopyrrolat und Oxybutynin, die manchmal off-label eingesetzt werden. Sie wirken auf den ganzen Körper – mit möglichen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit. Solche Mittel seien in der Regel Menschen mit echter Hyperhidrose vorbehalten, nicht dem durchschnittlichen Schwitzer im August. Wer den Verdacht hat, mehr zu schwitzen, als die Hitze erklären kann, sollte das mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt besprechen.
Was hilft Ihnen am besten durch die heißen Sommertage – die kalte Dusche, das richtige Antitranspirant oder ganz andere Tricks? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.































