Frankreich hat in diesem Sommer mehr als 7.300 zusätzliche Todesfälle während der Hitzewellen registriert. Das teilten die französischen Gesundheitsbehörden am Mittwoch mit, während weite Teile Europas mit sich verschärfenden Hitzeperioden, Waldbränden und Dürren kämpfen. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP erlebte das Land seit Mitte Juni 52 Hitzewellentage – so viele wie in keinem anderen Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947. Die Todesfälle verteilen sich auf drei aufeinanderfolgende Hitzewellen und lassen sich bislang noch nicht endgültig der Hitze zuschreiben; endgültige Zahlen werden für den Herbst erwartet.
- Santé publique France meldet insgesamt 7.307 zusätzliche Todesfälle in drei Hitzeperioden seit Ende Mai.
- Fast drei Viertel der zusätzlichen Toten sind 75 Jahre oder älter, betroffen sind alle Altersgruppen ab 45.
- Mit 52 Hitzewellentagen seit Mitte Juni verzeichnet Frankreich einen Rekord seit Beginn der Messungen 1947.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörde Santé publique France wurden zwischen dem 2. und 22. Juli 1.243 Todesfälle mehr als üblich gezählt. Hinzu kommen 5.764 zusätzliche Todesfälle im Zeitraum vom 17. bis 30. Juni sowie rund 300 Todesfälle, die bislang während der ersten Hitzeperiode Ende Mai erfasst wurden. Das ergibt in der Summe 7.307. Nahezu drei Viertel dieser Todesfälle betreffen laut Gesundheitsministerium Menschen ab 75 Jahren, doch waren „alle Altersgruppen ab 45 Jahren“ betroffen.
Die Todesfälle wurden aus allen Ursachen erfasst und können nach Angaben der Behörde noch nicht eindeutig der Hitze zugeordnet werden.
Drei Hitzewellen folgten in kurzem Abstand aufeinander
Frankreich wurde von drei Hitzewellen in rascher Folge getroffen: einer 14-tägigen Phase im Juni, einer 16-tägigen im Juli und einer weiteren von 22 Tagen, die Ende Juli begann und bis zum 18. August noch nicht offiziell für beendet erklärt war. Seit Beginn der ersten Hitzewelle am 17. Juni gab es demnach nur zwei Verschnaufpausen von drei beziehungsweise acht Tagen.
Für einen deutschsprachigen Leser ist ein Umstand besonders relevant: In Teilen Frankreichs sind Gebäude schlecht auf große Hitze eingestellt, Klimaanlagen sind vielerorts selten. Das erklärt mit, warum längere Hitzeperioden dort so stark auf die Gesundheit älterer Menschen durchschlagen.
Météo-France misst mehr Hitzetage als je zuvor
Die AFP-Auswertung stützt sich auf Daten des nationalen Wetterdienstes Météo-France. Die Zahl der Hitzewellentage in diesem Jahr übertrifft die 33 Tage des Jahres 2022 sowie die 22 Tage des tödlichen Sommers 2003 deutlich. Das bisherige Ausnahmejahr 2022 verzeichnete zwar ebenfalls drei einzelne Hitzewellen, doch ihre Gesamtdauer lag fast 20 Tage unter der diesjährigen Summe.
Météo-France definiert eine landesweite Hitzewelle als eine mehrtägige Phase mit deutlich über dem Normalwert liegenden Temperaturen. Sie beginnt, wenn ein nationaler Temperaturindikator an einem Tag 25,3 °C erreicht oder überschreitet und der landesweite Durchschnitt mindestens drei Tage in Folge bei oder über 23,4 °C bleibt. Sie endet, wenn dieser Wert für mindestens drei Tage unter 23,4 °C fällt oder kurzzeitig unter 22,4 °C sinkt. Eine ungewöhnlich warme Phase im Mai etwa war nicht intensiv genug, um diese Schwelle zu erreichen.
Zweitlängste jemals gemessene Hitzewelle im Land
Das Jahr 2026 hat auch bei den Temperaturen eine Marke gesetzt: Der 24. und 25. Juni waren im Durchschnitt über das französische Festland die heißesten je gemessenen Tage. Der nationale Temperaturindikator, der Tages- und Nachtwerte von 30 Referenz-Wetterstationen kombiniert, erreichte 30 °C und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2003.
Die Ende Juli begonnene Hitzewelle ist zugleich zur zweitlängsten landesweit erfassten geworden. Mit 22 Tagen und weiterhin andauernd liegt sie nur knapp unter der 23-tägigen Hitzewelle vom Juli 1983. Zum Vergleich: Extreme Hitze trug 2003 zu mehr als 15.000 Todesfällen in Frankreich bei, doch die Hauptphase konzentrierte sich damals auf rund zwei Wochen im August. Diese Hitzewelle vom August 2003 gilt – gemessen an einem Indikator aus Dauer und Intensität – bis heute als die schwerste beobachtete.
Der langfristige Trend ist deutlich: Mehr als die Hälfte der 54 Hitzewellen, die Frankreich seit 1947 erlebt hat, ereignete sich seit 2010. Über die Landesgrenzen hinaus verzeichnete Westeuropa den heißesten Sommerbeginn seit Beginn der Aufzeichnungen, mit wiederkehrenden Hitzewellen im Juni und Juli, die weiträumige Dürre und verheerende Waldbrände nach sich zogen – befeuert durch den vom Menschen verursachten Klimawandel.
Wie gehen Sie mit immer längeren Hitzeperioden um, und halten Sie Ihr Zuhause oder Ihre Region für ausreichend darauf vorbereitet? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Einschätzungen in den Kommentaren.































