Ein im Exil lebender Oppositionspolitiker hat nach dem tödlichen Erdrutsch auf einer Müllkippe in Guineas Hauptstadt Conakry lückenlose Aufklärung gefordert. Der ehemalige Regierungschef Cellou Dalein Diallo erklärte auf Facebook, das Unglück sei »umso beunruhigender, als die Schließung der Deponie für diesen Sonntag« angekündigt worden war. Er rief die Behörden auf, »in voller Transparenz die Umstände zu klären, die zu dieser Katastrophe geführt haben, und daraus sämtliche Konsequenzen zu ziehen«. Bei dem Unglück in der Nacht zum Sonntag kamen nach Regierungsangaben mindestens 30 Menschen ums Leben, als abgerutschter Müll ein angrenzendes Wohngebiet unter sich begrub.
- Mindestens 30 Menschen starben, mindestens 22 weitere wurden verletzt, sechs davon schwer.
- Starke Regenfälle weichten die größte Deponie der Hauptstadt, Dar-es-Salam, auf und brachten den Müll ins Rutschen.
- Die Deponie hätte laut Behörden ausgerechnet an diesem Sonntag geschlossen werden sollen.
Der zuständige Sanitärbeauftragte Baldé Mamadou Bailo, Offizier des Militär-Pionierbataillons, bestätigte, dass der Standort Dar-es-Salam für diesen Sonntag zur Schließung vorgesehen gewesen sei. Bereits Tage zuvor hatte die Regierung die Räumung des Gebiets sowie Sicherheitsmaßnahmen angeordnet, weil die Deponie instabil geworden war. Anwohner in den informellen Behausungen hatten Räumungsbescheide erhalten – doch offenbar folgten nicht alle der Anordnung.
Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich nach Angaben der Behörden noch immer viele Menschen in der Gegend auf.
Ein Minister kündigt die Umsiedlung der verbliebenen Familien an
Dienabou Touré, Minister für Territorialverwaltung und Dezentralisierung, besuchte den Unglücksort. »Wir werden dafür sorgen, dass die verbleibenden Familien an einen anderen Ort umgesiedelt werden«, sagte er vor Ort. Auch Premierminister Amadou Oury Bah machte sich ein Bild von der Lage und sprach den Betroffenen im Namen der Regierung sein Beileid aus. Rettungskräfte suchten mit Baggern weiter nach Verschütteten und bargen Leichen; die Such- und Rettungsarbeiten dauerten am Sonntagabend an.
Was am frühen Morgen im Vorort Dar-es-Salam geschah
Nach Darstellung des Zivilschutzes weichten starke Regenfälle in der Nacht den Müll auf der größten Deponie der Hauptstadt auf und brachten ihn ins Rutschen. Noch vor Tagesanbruch wurden nahegelegene Hütten unter den Abfallmassen begraben. Dar-es-Salam am Rande von Conakry zählt zu den ärmsten Gegenden der Stadt. Bereits 2017 war es dort zu einem Erdrutsch mit zahlreichen Todesopfern gekommen.
Für die Einordnung ist relevant, dass heftige saisonale Regenfälle in mehreren Ländern immer wieder Abrutschungen an Deponien auslösen. Ähnliche Unglücke ereigneten sich in den vergangenen Jahren etwa in Uganda und Äthiopien. Solche Katastrophen treffen häufig informelle Siedlungen, die unmittelbar an Müllkippen entstehen – dort, wo Menschen ohne gesicherten Wohnraum in der Nähe von Abfallbergen leben.
Rohstoffreich und dennoch bitterarm
Guinea gehört trotz seines großen Rohstoffreichtums zu den ärmsten Staaten der Welt. Das westafrikanische Land mit rund 15 Millionen Einwohnern zählt zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Bauxit, dem entscheidenden Ausgangsstoff für die Aluminiumproduktion. Für viele Menschen bedeutet dieser Reichtum jedoch wenig: Der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Strom und sauberem Trinkwasser bleibt vielerorts unzureichend.































