Fast drei Jahrzehnte nach dem Mord an dem US-Rapper Tupac Shakur hat in Las Vegas der lange erwartete Strafprozess begonnen. Angeklagt ist der 63-jährige Duane „Keffe D“ Davis, der die tödlichen Schüsse auf den Musiker im September 1996 geplant und angeordnet haben soll. Zum Auftakt der eigentlichen Verhandlung am Montag sprach Staatsanwalt Binu Palal von einer Tat aus Rache: Davis habe den Mord in Auftrag gegeben, weil sein Neffe zuvor von Shakur und dessen Umfeld zusammengeschlagen worden sei. Davis bekannte sich nicht schuldig. Im Fall einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.
- Duane Davis ist die erste Person, die im Mordfall Tupac Shakur angeklagt wurde – festgenommen 2023.
- Die Anklage wirft ihm vor, den Angriff aus Rache für die Prügelattacke auf seinen Neffen befohlen zu haben.
- Die Verteidigung bestreitet die Vorwürfe und nennt sie „Fiktion“.
- Der Prozess soll voraussichtlich rund einen Monat dauern.
Eine jahrzehntelang ungelöste Tat kommt vor Gericht
Der Mord an Shakur gehört zu den bekanntesten ungelösten Verbrechen der USA und beschäftigt Hip-Hop-Fans seit Jahren mit der Frage, wer für die Tat verantwortlich war. Lange kamen die Ermittlungen wegen mangelnder Beweise kaum voran. Nach Angaben der Polizei galt Davis früh als Verdächtiger, doch es fehlte an belastbaren, vor Gericht verwertbaren Beweisen – bis er selbst öffentlich über seine Rolle sprach.
Entscheidend war laut Anklage sein Buch: 2019 veröffentlichte Davis, ein früherer Anführer der Gang South Side Compton Crips, seine Memoiren „Compton Street Legend“. Darin schilderte er, wie er im weißen Cadillac vorn saß und den Männern auf der Rückbank eine Waffe reichte. Zudem habe er sich gegenüber der Bundespolizei 1998 und 1999 sowie 2009 gegenüber der Polizei von Las Vegas geäußert. „Und nun, fast 30 Jahre später, bitten wir Sie, Duane Davis endlich zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte Palal zu den Geschworenen.
Die Fehde zwischen Ost- und Westküste als Hintergrund
Shakur, auch als 2Pac bekannt, war eine zentrale Figur der erbitterten Fehde zwischen Hip-Hop-Musikern von der US-West- und Ostküste. Bekannt geworden mit Hits wie „California Love“ und „All Eyez on Me“, wuchs er im New Yorker Stadtteil Harlem und in Baltimore auf, wurde nach seinem Vertrag mit dem Label Death Row Records aus Los Angeles aber zum Inbegriff des kalifornischen Rap. Im Prozess geht es auch um den Konflikt zwischen Death Row und der von Sean „Diddy“ Combs gegründeten Ostküsten-Plattenfirma Bad Boy Records. Den Ermittlern zufolge stand Death Row unter dem Schutz der Gang Mob Piru, während Bad Boy die von Davis geführten Crips als Leibwächter anheuerte.
Die Nacht des 7. September 1996
Am Abend des 7. September 1996 waren Shakur und Death-Row-Boss Marion „Suge“ Knight in Las Vegas, um einen Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon zu sehen. Im MGM Grand kam es zu einer Prügelattacke auf Davis’ Neffen Orlando „Baby Lane“ Anderson. Rund zweieinhalb Stunden später überholte ein weißer Cadillac Shakurs Wagen; aus dem Fahrzeug fielen mehrere Schüsse. Shakur wurde getroffen und starb im Alter von 25 Jahren sechs Tage später im Krankenhaus. Davis habe nicht selbst abgedrückt, so die Anklage, aber die Waffe übergeben und den Schützen zum Schießen aufgefordert.
„Was sie Ihnen vortragen, stellen sie als Tatsache dar, obwohl es sich in Wahrheit um Fiktion handelt“, sagte Verteidiger Michael Sanft an die Geschworenen gewandt.
Sanft warf den Ermittlern vor, auch nach 30 Jahren kaum stichhaltige Beweise vorlegen zu können, und verwies auf fehlende Dokumente und Misstrauen zwischen Polizeibehörden. Davis distanziert sich inzwischen von seinen Memoiren und gibt an, sein Neffe habe die Schüsse abgefeuert – dieser kam 1998 selbst bei einer Schießerei ums Leben. Alle weiteren Insassen des Cadillac sind mittlerweile tot.
Was im Prozess noch bevorsteht
Die Verhandlung vor Richterin Carli Kierny soll voraussichtlich rund einen Monat dauern. Die Anklage plant, zwischen 35 und 45 Zeugen aufzurufen; als Erster sagte der pensionierte Polizist Garry Dale aus. Als möglicher Zeuge gilt auch Suge Knight, der in der Tatnacht neben Shakur saß und derzeit wegen einer anderen Verurteilung eine 28-jährige Haftstrafe verbüßt. Als unwahrscheinlich gilt hingegen, dass im Verfahren endgültig geklärt wird, wer die tödlichen Schüsse abgab.































