Bettwanzen sind auf dem Vormarsch – und ausgerechnet in den Sommermonaten erreichen die Befälle laut Fachleuten ihren Höhepunkt. Die Blutsauger plagen Menschen seit Jahrhunderten, doch nun kommt ein neuer Verdacht hinzu: Einige Wissenschaftler halten es für möglich, dass die Insekten den antibiotikaresistenten Keim MRSA weitergeben könnten. Gesichert ist das nicht, doch schon der Verdacht rückt die verhassten Krabbler in ein neues Licht. Christopher Hayes, Assistenzprofessor an der North Carolina State University, wurde im Zuge seiner Forschung nach eigenen Angaben mehr als 50 Mal gestochen – und warnt: Wer nicht aufpasst, schleppt die Tiere leicht ins eigene Zuhause.
- Bettwanzen-Befälle nehmen laut Experten zu und sind im Sommer besonders häufig.
- Ein Experiment aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Bettwanzen den Keim MRSA aufnehmen und weitergeben können – ein Nachweis am Menschen steht aus.
- Der beste Schutz ist, die Tiere gar nicht erst einzuschleppen, etwa aus Hotels oder von Gebrauchtmöbeln.
Bettwanzen werden mitunter die Vampire der Insektenwelt genannt: Tagsüber verstecken sie sich, nachts kommen sie hervor, um menschliches Blut zu saugen. Die rötlich-braunen Tiere sind etwa so groß wie ein Apfelkern und verkriechen sich in schmalen Ritzen von Möbeln, in Kleidung, Bettwäsche und Matratzen. Zu sehen sind sie kaum – verraten werden sie oft nur durch kleine dunkle Kotflecken, die sie hinterlassen.
Der Stich bleibt oft unbemerkt – und genau das ist gefährlich
Nachts kriechen die Tiere auf schlafende Menschen, durchstechen mit einem schnabelartigen Körperteil die Haut und saugen mehrere Minuten lang Blut. Der Stich selbst ist schmerzlos. Manche Menschen entwickeln einen Tag später juckende rote Quaddeln, andere reagieren gar nicht. Genau darin liegt die Tücke: Wer nicht merkt, dass er wiederholt gestochen wird, kann rasch zum Opfer eines massiven Befalls werden.
Wie dramatisch das enden kann, zeigt ein Fallbericht aus Frankreich: 2020 wurde ein allein lebender 70-Jähriger nach einem Zusammenbruch auf der Straße in eine Klinik nahe Paris gebracht – mit einer Blutarmut infolge chronischen Blutverlusts. In seiner Wohnung fanden sich Tausende Bettwanzen in Bett, an Wänden, Boden und Vorhängen.
Ein Experiment nährt den Verdacht auf Krankheitsübertragung
Bislang gibt es keinen klaren Beleg dafür, dass Bettwanzen Krankheiten von Mensch zu Mensch übertragen. Verdauung und Anatomie der Tiere scheinen eine effiziente Weitergabe von Keimen zu verhindern, erklärt der Entomologe Chow-Yang Lee von der University of California in Riverside.
Doch Forscher der University of South Dakota veröffentlichten 2023 ein Experiment, bei dem sie mit Blutkapseln und künstlicher Haut arbeiteten. Das Ergebnis: Bettwanzen konnten den Keim MRSA bei einer Mahlzeit aufnehmen und ihn bei einer späteren wieder abgeben. Ob die Tiere MRSA tatsächlich auf Menschen übertragen, müsse weitere Forschung erst beweisen, sagt Mitautor Jose Pietri, heute an der Purdue University. Dennoch: „Es verändert die Perspektive darauf, was Bettwanzen aus Sicht der öffentlichen Gesundheit bedeuten.“
Für Leserinnen und Leser ist wichtig einzuordnen: Es handelt sich hier um ein Laborexperiment, nicht um einen Nachweis bei Patienten. Ein tatsächliches Ansteckungsrisiko im Alltag ist damit nicht belegt – wohl aber eine offene Frage, der die Wissenschaft nun nachgeht.
Warum die Tiere zurückkehren: Resistenz gegen Insektizide
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bettwanzen-Populationen in den Industrieländern durch den breiten Einsatz des Insektizids DDT stark dezimiert. Die US-Umweltbehörde EPA verbot das Mittel 1972 für die meisten Anwendungen, weil es Tieren schade und ein mögliches Risiko für Menschen darstelle. Da hatten die Wanzen jedoch bereits begonnen, Widerstandskraft gegen DDT zu entwickeln – und sind seither laut Lee immer robuster und häufiger geworden. Die Resistenz gegen Insektizide gilt als treibende Kraft hinter der Rückkehr der Plagegeister.
Wie stark der Befall genau zunimmt, lässt sich schwer beziffern. Schädlingsbekämpfungsfirmen erstellen zwar jährliche Ranglisten der am stärksten betroffenen US-Städte, doch diese beruhen nur auf der Zahl der eingegangenen Anrufe, nicht auf einer systematischen Erhebung. Viele Befälle treten zudem in einkommensschwachen Wohnvierteln oder im sozialen Wohnungsbau auf – dort, wo große Firmen oft gar nicht erst beauftragt werden.
Dass es sich nicht um ein rein amerikanisches Problem handelt, zeigten zuletzt Schlagzeilen aus Europa: In Paris häuften sich 2023 im Vorfeld der Olympischen Spiele Meldungen über Bettwanzen in einem Kino, in Zügen und Bussen. In New York wurden 2018 mindestens ein halbes Dutzend Stadtbusse aus dem Verkehr gezogen, nachdem Wanzen auf den Sitzen entdeckt worden waren.
Vorbeugung ist der wirksamste Schutz
Der beste Schutz sei, die Tiere gar nicht erst einzuschleppen, betonen Fachleute. Reisende fangen sie sich oft in Hotelzimmern ein. Der Rat: Vor dem Auspacken die Bettdecke und Laken zurückschlagen und nach Tieren oder Kotflecken suchen. Koffer nicht auf dem Bett oder auf dem Boden daneben abstellen, sondern etwa in einem hellen Müllsack oder in der Badewanne verstauen. Zu Hause sollte das Gepäck draußen geöffnet und Wäsche direkt in die Waschmaschine und den Trockner gegeben werden.
Auch Gebrauchtmöbel und andere Second-Hand-Waren können blinde Passagiere beherbergen. Hayes rät, solche Stücke genau zu prüfen und vor dem Hereintragen zu behandeln – etwa durch Absaugen, Dampf oder Hitze. Kleidung sollte gewaschen und eine Stunde in den Trockner gegeben werden. Schuhe oder andere Gegenstände könne man für eine Woche ins Gefrierfach legen, „um sicherzugehen, dass alles darin, was noch leben könnte, erledigt ist“.
Hatten Sie selbst schon einmal mit Bettwanzen zu tun – etwa nach einer Reise oder beim Kauf gebrauchter Möbel? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren.































