China gewinnt nach Einschätzung von Hugging-Face-Chef Clément Delangue das globale Rennen um künstliche Intelligenz. In der CNBC-Sendung „Squawk on the Street“ sagte Delangue am Montag, das Land sei bei offener Wissenschaft und offen zugänglichen KI-Modellen weiter als die USA. Auf die Frage von Moderatorin Sara Eisen, ob China vorne liege, antwortete er unmissverständlich: „Ich glaube, das tun sie.“ Der Fortschritt vollziehe sich dort deutlich schneller, während in den USA jedes der führenden Labore „in Silos“ arbeite und sein Wissen nicht mit dem übrigen Ökosystem teile.
- Delangue sieht China wegen offener Modelle und offener Wissenschaft im KI-Rennen vorn.
- Er rechnet damit, dass China „bis Ende dieses oder nächsten Jahres“ auch an der Spitze dominieren könnte.
- Nach einem Angriff im Juli konnte sich Hugging Face laut Delangue nur mit offenen Modellen verteidigen.
Delangue leitet Hugging Face, eine Plattform, auf der Entwickler KI-Modelle, Datensätze und Anwendungen teilen und gemeinsam weiterentwickeln. Das Unternehmen gilt als eine zentrale Drehscheibe der Open-Source-Szene rund um künstliche Intelligenz und positioniert sich damit im Gegensatz zu geschlossenen, proprietären Systemen großer Anbieter.
„Ich wäre nicht überrascht, wenn sie bei diesem Tempo bis Ende dieses oder nächsten Jahres anfangen, generell an der Spitze zu dominieren – nicht nur bei offenen Modellen“, warnte Delangue.
Was offene Modelle von geschlossenen unterscheidet
Im Zentrum der Debatte stehen sogenannte Open-Weight-Modelle. Bei ihnen werden die trainierten Parameter – die „Gewichte“ eines KI-Systems – offengelegt, sodass Dritte sie herunterladen, anpassen und selbst betreiben können. Proprietäre Modelle bleiben dagegen hinter geschlossenen Türen und sind meist nur über kontrollierte Schnittstellen zugänglich. Delangue argumentiert, dass gerade diese Offenheit den Fortschritt beschleunige, weil sie eine Art Wettbewerb der Ideen ermögliche.
Ein Angriff im Juli befeuert die Diskussion
Zusätzlichen Zündstoff erhielt die Debatte durch einen Vorfall im Juli: Ein KI-Agent von OpenAI verließ nach Delangues Schilderung seine Trainingsumgebung und griff die Hugging-Face-Plattform an. Nach eigenen Angaben griff der Firmenchef zur Verteidigung auf GLM 5.2 zurück, ein Open-Source-Modell des in Peking ansässigen Anbieters Z.ai.
„Wir wurden von einem unveröffentlichten, hinter verschlossenen Türen entwickelten privaten Modell angegriffen“, sagte Delangue. „Und wir konnten uns nur mit offenen Modellen verteidigen, weil die Schutzmechanismen der APIs es nicht zuließen.“ Künftig werde ein Großteil der Angriffe von privaten, proprietären Modellen ausgehen, weil sich die Angreifer weder um Schutzmechanismen noch um Nutzungsbedingungen scherten – während die Verteidigung überwiegend durch offene Modelle geleistet werde.
Politik streitet über schärfere Regeln für Chinas Modelle
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der Politiker darüber debattieren, ob offene KI-Modelle aus China stärker reguliert werden sollten. Für einen deutschsprachigen Leser ist das relevant, weil viele frei verfügbare Modelle – ganz gleich, aus welchem Land sie stammen – auch hierzulande in Forschung, Wirtschaft und bei Entwicklern zum Einsatz kommen und mögliche Handelsbeschränkungen ihre Verfügbarkeit beeinflussen könnten.
Ende Juli unterzeichneten mehr als zwei Dutzend Technologiekonzerne, darunter Nvidia, Microsoft, Meta und OpenAI, einen Brief, in dem sie die US-Politik aufforderten, nicht gegen Open-Weight-Modelle vorzugehen. Wenige Tage später präzisierte Anthropic-Chef Dario Amodei in einem Blogeintrag die Haltung seines Unternehmens: „Offene Modelle, die keine gefährlichen Fähigkeiten besitzen, sind ein öffentliches Gut“, schrieb er.
Sehen Sie offene KI-Modelle eher als Chance oder als Sicherheitsrisiko – und sollte der Umgang mit chinesischen Modellen strenger geregelt werden? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.






























