An einer der spektakulärsten Entdeckungen über Madagaskars verborgene Amphibienwelt ist auch die deutsche Wissenschaft maßgeblich beteiligt: Forschende der Universität Potsdam haben gemeinsam mit einem internationalen Team sieben neue Arten der sogenannten Diamantfrösche (Rhombophryne) beschrieben. Möglich wurde das durch die Sequenzierung von DNA aus historischen Museumsexemplaren. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Vertebrate Zoology, zeigen, dass eine der geheimnisvollsten Amphibiengruppen der Insel noch vielfältiger ist als bislang angenommen. Die Studie ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit von Institutionen aus Madagaskar und Europa.
- Sieben neue Diamantfrosch-Arten wurden auf Madagaskar wissenschaftlich beschrieben.
- Die Gesamtzahl bekannter Rhombophryne-Arten steigt damit auf 27.
- Dr. Alice Petzold von der Universität Potsdam leitete die DNA-Analysen historischer Sammlungsexemplare.
- Das Projekt lief über mehr als zwölf Jahre.
Alte Museumssammlungen liefern den entscheidenden Schlüssel
Zentral für den Durchbruch war die sogenannte Museomik – die Gewinnung von Erbgut aus historischen Museumsexemplaren. Diesen Teil der Arbeit leitete Dr. Alice Petzold von der Universität Potsdam. Erst durch den Abgleich der genetischen Daten aus alten Sammlungen mit neu gesammeltem Material ließ sich klären, welche historischen Artnamen zu welchen heutigen Abstammungslinien gehören.
„Museumssammlungen sind weit mehr als Archive der Vergangenheit – sie sind unverzichtbare wissenschaftliche Ressourcen, um die heutige Artenvielfalt zu verstehen“, sagte Petzold. Durch die Sequenzierung historischer Exemplare, darunter die ursprünglichen Typusexemplare, hätten sich Fragen beantworten lassen, die seit Generationen offen gewesen seien.
Für ein deutsches Publikum zeigt das Projekt eindrücklich, welchen aktuellen Forschungswert die oft jahrzehntealten Bestände naturkundlicher Sammlungen besitzen.
Warum die Frösche so schwer zu fassen sind
Diamantfrösche zählen zu den auffälligsten Amphibien Madagaskars – und zugleich zu den am wenigsten erforschten Wirbeltieren der Insel. Viele Arten verbringen den Großteil ihres Lebens versteckt unter dem Laub des Waldbodens. Manche sind auffallend rund und erinnern an die Regenfrösche des afrikanischen Festlands, andere sind langbeinige Moosbewohner oder kräftige Bodenbewohner.
Auf den ersten Blick wirken die meisten schlicht braun. Einige verbergen jedoch Blitze von Orange oder auffällige weiße und schwarze Zeichnungen an Oberschenkeln und Rücken – möglicherweise, um Fressfeinde zu erschrecken. „Diamantfrösche haben ihre Vielfalt unter unseren Füßen versteckt“, sagte Dr. Mark D. Scherz vom Naturhistorischen Museum Dänemark, Erstautor der Studie. Selbst wenn die Tiere auftauchten, sähen sie oft täuschend ähnlich aus.
Zwölf Jahre Arbeit an einem taxonomischen Rätsel
Begonnen hatte das Projekt vor mehr als zwölf Jahren, nachdem Forschende wiederholt auf offenkundig unbeschriebene Arten gestoßen waren. Die Zuordnung war schwierig, weil sich historische Artnamen nicht sicher mit modernen genetischen Linien verbinden ließen. „Fast jede Expedition nach Madagaskar brachte eine weitere“, so Scherz. Manche Arten seien vergleichsweise einfach zu beschreiben gewesen, andere durch Unsicherheiten bei älteren Namen kompliziert. Das Team kombinierte dafür genetische Daten mit der Analyse der äußeren und knöchernen Anatomie sowie der Rufe der Frösche.
Grundlage für den Artenschutz auf Madagaskar
Die Ergebnisse fließen bereits in die Naturschutzplanung ein. Bei einem Workshop zur Ausweisung von Schutzgebieten im März 2026, Teil des madagassischen „Biodiversity 30×30“-Programms, trugen mehrere der neu beschriebenen Arten – darunter Rhombophryne quentini – unmittelbar zu Vorschlägen bei, Schutzgebiete zu stärken und auszuweiten.
Für den Schutz bleibt das Wissen dennoch lückenhaft. „Für viele Arten wissen wir noch fast nichts über ihre Fortpflanzungsbiologie, ihre Populationsgrößen oder ihre ökologischen Ansprüche“, sagte Ko-Autorin Dr. Andolalao Rakotoarison vom Institut d’Enseignement Supérieur de Soavinandriana Itasy in Madagaskar. Ohne dieses Wissen sei es schwer, den Gefährdungsstatus zu bewerten und die Tiere wirksam zu schützen. Viele Diamantfrösche leben in Wäldern, die durch Abholzung zunehmend zerstückelt werden.
Mit den sieben neuen Arten steigt die Zahl der bekannten Rhombophryne-Arten auf 27. Die Forschenden gehen davon aus, dass weitere, bislang unbenannte Arten fast sicher noch auf ihre Beschreibung warten. „Jede neu beschriebene Art steht für Millionen Jahre einzigartiger Evolutionsgeschichte“, sagte Scherz. Je mehr man über Madagaskars Amphibien lerne, desto deutlicher werde, wie viel noch zu entdecken sei.
Sollten naturkundliche Sammlungen in Deutschland stärker gefördert werden, wenn ihre alten Exemplare heute solche Entdeckungen ermöglichen? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.






























