Der Serienschöpfer und Showrunner Andrew Guest hat sich in einem Video zu Wort gemeldet, um Spekulationen über das plötzliche Aus der Marvel-Serie „Wonder Man“ bei Disney+ auszuräumen. In der am Samstagabend über TikTok verbreiteten Botschaft dankte Guest den Fans und schilderte, was er über die Entscheidung weiß. „Ich habe zugehört“, sagte er. „Das ist kein Marketing-Trick. Es ist kein Film in Arbeit.“ Nach seiner Darstellung waren Verträge unterschrieben und Zeitpläne freigeräumt, bevor der Konzern die bereits zugesagte zweite Staffel wieder kassierte.
- Marvel und Disney sagten die zweite Staffel von „Wonder Man“ ab, obwohl sie im März noch bestellt worden war.
- Showrunner Andrew Guest betont: kein Marketing-Trick, kein Film in Arbeit, keine Terminprobleme der Beteiligten.
- Hauptdarsteller Yahya Abdul-Mateen II ist für einen Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie nominiert.
Ein plötzlicher Kurswechsel nach bereits erteilter Zusage
Der Fall ist ungewöhnlich: Disney hatte die Serie im März offiziell für eine zweite Staffel verlängert – und diese Verlängerung diese Woche wieder zurückgenommen. Laut Guest sollte der Writers‘ Room noch in diesem Monat starten, die Produktion Anfang kommenden Jahres beginnen. „Es wurde intern zwischen Disney und Marvel entschieden, dass das für sie keinen Sinn mehr ergibt, obwohl es vor ein paar Monaten noch Sinn ergab“, so der Showrunner. „Und das ist im Grunde alles, was ich wirklich weiß. Zahlen werden mit mir nicht geteilt.“
Guest stellte ausdrücklich klar, dass weder der Terminplan von Regisseur Destin Daniel Cretton noch der eines anderen Beteiligten ein Hindernis gewesen sei. Er selbst habe die erste Folge der zweiten Staffel bereits geschrieben, ein Handlungsgerüst für die gesamte Staffel habe vorgelegen. „Es wäre eine wirklich unglaubliche Staffel geworden, die die erste hoffentlich übertroffen hätte.“
Warum die Absetzung Aufsehen erregt
Für Zuschauerinnen und Zuschauer ist der Fall vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Serie einen soliden Start hingelegt hatte. Nach Nielsen-Daten kam „Wonder Man“ in seiner Premierenwoche auf 618 Millionen abgerufene Minuten und landete für die Woche vom 26. Januar bis 1. Februar auf Platz acht der Streaming-Originalproduktionen. Auffällig war die Altersstruktur des Publikums: 41 Prozent der Nutzung entfielen auf die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen – mehr als bei jedem anderen Top-10-Titel jener Woche.
Dass ein Studio eine bereits bestellte Fortsetzung wieder streicht, ist in der Streaming-Branche selten und deutet auf eine kurzfristige Verschiebung interner Prioritäten hin.
Die Serie erzählt von Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen II), einem angehenden Hollywood-Schauspieler, dessen Karriere nicht in Fahrt kommt. Bei einer zufälligen Begegnung mit dem Schauspieler Trevor Slattery (Ben Kingsley) erfährt er, dass der Regisseur Von Kovak (Zlatko Burić) den Superheldenfilm „Wonder Man“ neu verfilmen will. Beide Darsteller an entgegengesetzten Enden ihrer Laufbahn kämpfen um die entscheidende Rolle – und geben dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen der Unterhaltungsindustrie. Alle acht Folgen der ersten Staffel erschienen am 27. Januar. Cretton, dessen jüngster MCU-Film „Spider-Man: Brand New Day“ nur einen Tag nach der Absetzung Premiere feierte, hatte die Serie gemeinsam mit Guest entwickelt.
Wie die Beteiligten reagieren – und was noch aussteht
Hauptdarsteller Yahya Abdul-Mateen II meldete sich auf Instagram zu Wort: „Gerade kam die Nachricht, dass ‚Wonder Man‘ nicht zurückkehrt. So ist das Leben, oder? Alles klärt sich.“ Er dankte allen, die die Serie geschaut und weiterempfohlen hätten: „Die Serie hat funktioniert. Und das ist das, was ich am liebsten an ihr mag.“ Seinen Beitrag schloss er mit den Worten: „Wir sehen uns bei den EMMYS.“
Damit spielt er auf seine Nominierung als bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie an, für die er neben Steve Carell, Matthew Rhys, Jason Segel und Martin Short antritt. Guest appellierte im selben Sinne an die Emmy-Wähler, an Abdul-Mateens Leistung zu denken. Zugleich verwies er auf die Debatte im Netz über die Frage, welche Geschichten Plattformen künftig priorisieren. Was genau den Ausschlag für die interne Entscheidung gab, bleibt offen – konkrete Zahlen oder Gründe nannten weder das Studio noch die Beteiligten.
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