Berkshire Hathaway ist die Beteiligungsholding, die über Jahrzehnte von Investorenlegende Warren Buffett geführt wurde und Beteiligungen an zahlreichen börsennotierten Konzernen sowie ganze Unternehmen hält. Seit Kurzem steht mit Greg Abel ein neuer Vorstandschef an der Spitze, der Buffett als CEO abgelöst hat. In seinem nun zweiten vollständigen Quartal an der Konzernspitze hat Abel begonnen, den gewaltigen Bargeldbestand des Unternehmens einzusetzen – und dabei sowohl auf den US-Wohnungsmarkt als auch auf künstliche Intelligenz gesetzt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Meldung sowie den jüngsten Quartalszahlen hervor.
- Berkshire stockte seine Beteiligungen an Delta Air Lines und Google-Mutter Alphabet auf.
- Der Barbestand sank zur Jahresmitte auf 365,5 Milliarden Dollar, nach zuvor rekordhöchsten 397 Milliarden Dollar.
- Abel steuerte im Quartal Milliardendeals bei Wohnungsbau und KI.
Abel greift auf die Milliardenreserve zurück
Nach Jahren zurückhaltender Zukaufsaktivität unter Buffett, der wiederholt zu hohe Marktbewertungen beklagt hatte, verantwortete Abel im Berichtszeitraum zwei aufeinanderfolgende Milliardentransaktionen. Zur Jahresmitte verfügte Berkshire über 365,5 Milliarden Dollar (rund 315 Milliarden Euro) an liquiden Mitteln – weniger als der Rekordwert von 397 Milliarden Dollar (rund 342 Milliarden Euro) Ende März.
Fast 20 Milliarden Dollar (rund 17 Milliarden Euro) flossen netto in weitere Aktienbeteiligungen. Zudem gab das Unternehmen etwa 4,5 Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) für den Rückkauf eigener Aktien aus.
Wette auf den US-Wohnungsmarkt und ein neuer KI-Einstieg
Abel setzte 6,8 Milliarden Dollar (rund 5,9 Milliarden Euro) für die Übernahme des Hausbauers Taylor Morrison Home Corp. ein – ein typisches Value-Investment. Die Transaktion wurde im vergangenen Monat abgeschlossen. Parallel baute Berkshire seine Beteiligung am Hausbauer Lennar Corp. aus, die nun rund 1,21 Milliarden Dollar (etwa 1 Milliarde Euro) wert ist.
Ungewohnter fiel der zweite große Schritt aus: Berkshire übergab 10 Milliarden Dollar (rund 8,6 Milliarden Euro) an Alphabet, um dessen Investitionen im Bereich künstliche Intelligenz zu unterstützen – ein für den Konzern neues Feld. Zusammen mit einem Aktienzukauf von 48,1 Millionen Stück ist Alphabet mit einem Wert von 37,8 Milliarden Dollar (rund 33 Milliarden Euro) zur Jahresmitte inzwischen die drittgrößte Beteiligung der Holding.
Der Einstieg bei KI markiert einen spürbaren Kurswechsel gegenüber der zurückhaltenden Linie, die Berkshire unter Buffett lange prägte.
Delta wird aufgestockt, Bank of America weiter reduziert
Bei Delta Air Lines legte Berkshire 17,5 Millionen Aktien nach und erhöhte den Wert der Beteiligung damit auf 5,37 Milliarden Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro) zum Ende Juni. Gleichzeitig verringerte der Konzern seine Position bei der Bank of America weiter und hält nun 6,8 Prozent der Anteile am US-Kreditinstitut.
Für Anleger sind diese Quartalsmeldungen aus einem bestimmten Grund von Bedeutung: Berkshires Portfolioentscheidungen gelten an den Märkten seit jeher als vielbeachtetes Signal. Der beginnende Einsatz der Barreserve unter Abel könnte darauf hindeuten, dass der neue CEO stärker auf aktive Zukäufe setzt als sein Vorgänger – wobei die konkrete strategische Ausrichtung sich erst über mehrere Quartale hinweg zeigen dürfte.
Gates-Stiftung trennt sich von Berkshire-Aktien
In einer separaten Meldung vom Freitag wurde bekannt, dass die Gates-Stiftung fast 2,4 Millionen Berkshire-Aktien der Klasse B verkaufte. Ihre Beteiligung sank damit zum Quartalsende auf 7,35 Milliarden Dollar (rund 6,3 Milliarden Euro). Buffett hatte im vergangenen Monat signalisiert, keine weiteren Zuwendungen an die Stiftung zu planen, während Mitgründer Bill Gates wegen seiner Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zunehmend in die Kritik gerät.
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