Was als friedliche Großveranstaltung begann, endete am Samstagabend in Berlin mit einer Tragödie: Kurz vor 22 Uhr fuhr im Bereich des Tiergartens nahe dem Potsdamer Platz ein Fahrzeug in eine Menschenmenge, die sich am Rande des Christopher Street Days (CSD) aufhielt. Mindestens eine Frau starb, insgesamt wurden nach Angaben der Feuerwehr 16 Menschen verletzt. Der weiße Wagen prallte anschließend gegen einen Baum und wurde beschädigt am Tatort zurückgelassen. Die Polizei brach das CSD-Fest daraufhin ab und leitete eine intensive Fahndung ein. Inzwischen hat sie nach eigenen Angaben einen Verdächtigen identifiziert.
- Ein Fahrzeug fuhr kurz vor 22 Uhr in eine Menschenmenge am Tiergarten; eine Frau starb, 16 Menschen wurden verletzt.
- Drei Verletzte schweben nach Feuerwehrangaben in Lebensgefahr, acht sind schwer verletzt.
- Die Polizei identifizierte einen polizeibekannten Verdächtigen, der der islamistischen Szene zugerechnet wird, und fahndet nach ihm.
Hunderttausende feierten stundenlang friedlich
Bereits am Nachmittag hatten sich in Berlin Hunderttausende Menschen zum Christopher Street Day versammelt, einer der größten LGBTQ-Veranstaltungen Europas. Unter dem Motto „Haltung ist hot“ zogen die Teilnehmenden stundenlang durch die Stadt, tanzten zu lauter Musik und feierten rund 80 Wagen, die an der Parade teilnahmen. Der Umzug endete an der Straße des 17. Juni am Brandenburger Tor, wo seit Freitag Konzerte stattfanden. Bis zu dem Vorfall verliefen Demonstration und Fest weitgehend störungsfrei.
Der Christopher Street Day erinnert weltweit an den Aufstand von Schwulen, Lesben und queeren Menschen gegen Polizeiwillkür in New York und ist in Deutschland traditionell zugleich politische Demonstration und Straßenfest für Vielfalt und Toleranz.
Ein Fahrzeug fährt in die Menge
Nach Angaben der Polizei fuhr das Fahrzeug in den Tiergarten, unweit der Route, die der Umzug zuvor genommen hatte, und erfasste mehrere Menschen, bevor es gegen einen Baum prallte. Über die sozialen Netzwerke rief die Polizei alle Anwesenden auf, das Veranstaltungsgelände sofort zu verlassen und den Park zu meiden. Gegen 22.15 Uhr wurde das Fest offiziell abgebrochen, der Auftritt einer Band mitten in der Vorstellung unterbrochen. Das Programm auf der Hauptbühne war eigentlich bis Mitternacht geplant.
Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 150 Kräften im Einsatz. Von den 16 Verletzten schweben drei in Lebensgefahr, acht sind schwer und fünf leicht verletzt. Die schwer und lebensbedrohlich Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Rund 30 weitere Menschen, die unter dem Eindruck des Geschehens standen, wurden vor Ort psychologisch betreut. Für Angehörige richtete die Polizei eine Auskunftsstelle ein.
Nach Zeugenangaben sollen Menschen zudem auch durch Stiche verletzt worden sein; ob es einen oder mehrere Täter gab, war zunächst unklar.
Verdächtiger wird der islamistischen Szene zugerechnet
Zunächst suchten Einsatzkräfte großflächig nach dem Insassen oder den Insassen des Wagens; der Bereich zwischen Potsdamer Platz und dem Tiergartentunnel wurde bei der Spurensuche ausgeleuchtet. Inzwischen hat die Polizei nach eigenen Angaben einen Verdächtigen identifiziert. „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, sagte ein Polizeisprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.
Laut einem Bericht der „Welt“ versuchten Spezialkräfte bereits gegen 1.10 Uhr, den Mann in seiner Wohnung festzunehmen, trafen ihn dort aber nicht an. Der Verdächtige sei erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden. Zum Motiv gebe es weiterhin keine Hinweise, betonte der Polizeisprecher: „Wir haben weiterhin noch keinerlei Hinweise auf seine konkreten Motivationshintergründe oder auch den genauen Ablauf oder seinen Tatbeitrag als solchen.“ Die Ermittler prüfen dem Bericht zufolge zudem, ob der Verdächtige den Wagen nur gemietet oder auch selbst gefahren hat.
Öffentlichkeitsfahndung und schnelle Aufklärung angekündigt
Noch im Verlauf des Sonntags soll dem Bericht zufolge eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Flüchtigen folgen. Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte eine „abscheuliche Tat“ und kündigte an, gemeinsam mit Innenminister Alexander Dobrindt auf eine vollständige Aufklärung und Bestrafung hinzuwirken. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. „Berlin ist die Stadt der Freiheit, und unsere Freiheit wurde heute auf schrecklichste Weise angegriffen“, schrieb er auf der Plattform X.






























