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Lucid verschiebt Massenmodell Cosmos auf 2027

Laura Zimmermann von Laura Zimmermann
11 August 2026
in Auto
Lucid verschiebt Massenmodell Cosmos auf 2027
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Lucid Group ist ein US-amerikanischer Hersteller von Elektroautos mit Sitz im kalifornischen Newark. Bekannt wurde das Unternehmen durch zwei hochpreisige Modelle – die Limousine Air und den SUV Gravity, die in der Basisversion bei rund 70.000 beziehungsweise 80.000 US-Dollar (etwa 65.000 und 74.000 Euro) starten. Mehrheitseigner ist der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund. Nun zieht der Konzern bei seinem wichtigsten Zukunftsprojekt die Handbremse: Der kompakte Elektro-Crossover Cosmos, das erste massentaugliche Fahrzeug der Marke, kommt später als geplant. Ursprünglich sollte er noch in diesem Jahr für unter 50.000 US-Dollar (rund 46.000 Euro) starten, jetzt ist die zweite Hälfte 2027 anvisiert.

  • Der Cosmos wird auf die zweite Jahreshälfte 2027 verschoben.
  • Lucid meldete für das zweite Quartal einen Nettoverlust von über einer Milliarde US-Dollar.
  • Ein „operativer Neustart“ soll 2026 Verbesserungen des Cashflows von 1,4 Milliarden US-Dollar bringen.
  • Gebaut werden soll der Cosmos in einem neuen Werk in Saudi-Arabien.

Der Cosmos soll der Marke ein Massenpublikum erschließen

Der Cosmos ist für Lucid mehr als nur ein weiteres Modell. Er soll das erste Mittelklasse-Fahrzeug der Marke werden und zugleich das erste, das vollständig im neuen Werk AM2 in Saudi-Arabien vom Band läuft. Nach eigenen Angaben will Lucid die Qualitätsprobleme vermeiden, die den Marktstart von Air und Gravity überschattet haben. Firmenchef Silvio Napoli formulierte das Ziel so, man wolle „das Auto starten, wenn es fertig ist – in Spitzenqualität“.

Die Verzögerung hängt eng mit dem Bau des saudischen Werks zusammen. Nach Angaben aus der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen wird die Fabrik erst in der zweiten Hälfte 2027 bereit sein, um das Modell zu produzieren. Eine Fertigung am bestehenden Standort nahe Phoenix, Arizona, hält Napoli für wenig praktikabel, da dieser auf Air und Gravity ausgelegt sei; eine zusätzliche Linie würde „Ineffizienzen“ schaffen.

Ein Quartal mit Wachstum und wachsenden Verlusten

Die Zahlen zeichnen ein zwiespältiges Bild. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 405 Millionen US-Dollar (rund 370 Millionen Euro), die Auslieferungen kletterten um 19 Prozent auf 3.953 Fahrzeuge weltweit, die Produktion um 24 Prozent auf 4.774 Einheiten. Trotzdem weitete sich der Verlust deutlich aus: Der Nettoverlust lag bei über einer Milliarde US-Dollar, nach 539,4 Millionen im Vorjahresquartal. Der bereinigte Verlust betrug 901,1 Millionen US-Dollar oder 3,30 Dollar je Aktie.

Damit verfehlte Lucid die Erwartungen der Wall Street. Analysten hatten laut LSEG mit einem Verlust von 2,46 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 416 Millionen Dollar gerechnet.

Napoli setzt auf einen „operativen Neustart“

Napoli, der zuvor einen Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen führte, hat den Chefposten am 1. Juni übernommen und den Interims-CEO Marc Winterhoff abgelöst. Unter seiner Führung verordnet sich das Unternehmen einen „operativen Neustart“. „Lucid hat führende Technologie, überzeugende Produkte und tief engagierte Mitarbeiter, aber Potenzial ist nicht gleich Leistung“, sagte Napoli. Man kehre „zu den Grundlagen zurück, mit klarem Fokus auf Cash, Kunden und Kultur“.

Für 2026 hat Lucid Verbesserungsmöglichkeiten beim Cashflow von 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) identifiziert. Dazu zählen laut Unternehmen 600 bis 800 Millionen Dollar bei den Fahrzeugbeständen, etwa 500 Millionen bei den Investitionsausgaben und 200 Millionen bei den Betriebskosten. Aus dem im Vormonat angekündigten Stellenabbau erwartet der Konzern jährliche Einsparungen von rund 158 Millionen Dollar. Zugleich drosselt Lucid bewusst die Produktion, um sie stärker an die erwartete Nachfrage anzupassen.

Lucid räumte offen „verfrühte Markteinführungen“ ein sowie ein Kundenerlebnis, das hinter den Erwartungen zurückblieb, und Qualitätsprobleme, die nicht rechtzeitig behoben wurden.

Zur Liquidität teilte das Unternehmen mit, zum Quartalsende über drei Milliarden US-Dollar verfügbar zu haben. Zusammen mit den geplanten Maßnahmen soll das „eine ausreichende Liquiditätsreserve bis weit ins Jahr 2027“ sichern. Chairman Turqi Alnowaiser stellte sich hinter das Management: „Silvio und sein Führungsteam transformieren das Unternehmen, und der Vorstand steht fest hinter ihren Maßnahmen.“

Robotaxis rücken in den Fokus

Neben dem Cosmos setzt Lucid auf sein Robotaxi-Programm mit Uber und Nuro, das der Konzern als „oberste Priorität“ bezeichnet. Rund 100 Fahrzeuge werden bereits in der San Francisco Bay Area getestet. Die Serienfertigung des finalen Robotaxis ist für das vierte Quartal geplant, der Start für Ende 2026.

Die Verschiebung bedeutet, dass Lucid noch länger von zwei teuren Nischenmodellen abhängig bleibt, bevor ein bezahlbares Volumenmodell überhaupt in die Fertigung geht – vergleichbar mit der Rolle, die etwa der geplante Rivian R2 für einen anderen US-Newcomer spielt.

Die Neuigkeiten kommen nur wenige Wochen nach einem Online-Bericht, wonach Lucid einen Verkauf oder eine Insolvenz erwäge. Das Unternehmen wies dies zurück; die Aktie brach zunächst ein, erholte sich teilweise wieder, liegt im Jahr 2026 aber weiterhin fast 30 Prozent im Minus.

Kann ein bezahlbarer Cosmos im Jahr 2027 für Lucid noch der rettende Wurf werden – oder kommt das Massenmodell für den Elektro-Pionier zu spät? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

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