Die zum Amazon-Konzern gehörende Firma Zoox darf ihre neuartigen Robotaxis künftig gegen Bezahlung auf US-Straßen betreiben – und das ohne Lenkrad und Pedale. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA teilte am Donnerstag mit, sie habe dem Unternehmen eine befristete Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach Angaben der Behörde handelt es sich um eine Premiere für die gesamte Branche der autonomen Fahrzeuge. Zoox darf in den kommenden zwei Jahren jeweils bis zu 2500 Fahrzeuge kommerziell einsetzen, sie aber nicht an die Öffentlichkeit verkaufen. Der bezahlte Betrieb soll zunächst in Las Vegas anlaufen.
- Die NHTSA erteilt Zoox als erstem Anbieter die Freigabe für bezahlte Fahrten in lenkradlosen Robotaxis.
- Erlaubt sind bis zu 2500 Fahrzeuge pro Jahr über einen Zeitraum von zwei Jahren.
- Der kommerzielle Start ist in Las Vegas geplant, weitere Städte sollen folgen.
Wie es zu der Zulassung kam
Zoox befördert bereits seit Mitte 2025 Fahrgäste in Teilen von Las Vegas und San Francisco – bislang jedoch kostenlos und im Rahmen einer sogenannten Demonstrationsgenehmigung. Auf die Erlaubnis für bezahlte Fahrten wartete das Unternehmen seither. Die NHTSA hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Schritte unternommen, um Zulassungsverfahren für autonome Fahrzeuge zu beschleunigen.
Erst Anfang dieses Monats hatte Zoox für seine Fahrzeuge einen Software-Rückruf ausgelöst – aus Sorge, die Systeme könnten Rauch möglicherweise nicht zuverlässig erkennen.
Was die Genehmigung konkret erlaubt
Die NHTSA befreit Zoox von acht Vorschriften, die etwa herkömmliche Bedienelemente wie Lenkrad und Pedale, Spiegel oder eine Enteisung der Windschutzscheibe verlangen. Die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge haben das Format von Minibussen: Hinter breiten Schiebetüren sitzen die Passagiere auf zwei einander gegenüberliegenden Sitzbänken. Ausgelegt sind die Robotaxis für bis zu 75 Meilen pro Stunde (gut 120 Kilometer pro Stunde).
Die Behörde begründet ihre Entscheidung damit, dass die Zoox-Systeme ein gleichwertiges oder höheres Sicherheitsniveau erreichten als vorschriftskonforme Fahrzeuge. »Wir wollen aber dennoch sicherstellen, dass das automatisierte Fahrsystem ordnungsgemäß funktioniert«, sagte NHTSA-Direktor Jonathan Morrison der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Freigabe ist an strenge Auflagen geknüpft: Zoox muss zusätzliche Meldepflichten für Unfälle oder unsachgemäßes Anhalten erfüllen, Karten der Einsatzgebiete veröffentlichen und dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter der Kontrollzentren, die die Fahrzeuge im Notfall fernsteuern können, in den USA ansässig sind.
»Wir haben die Möglichkeit, die Ausnahmeregelung zurückzuziehen, wenn wir größere Sicherheitsprobleme feststellen«, betonte Morrison. Je nach Verhalten der Fahrzeuge kann die Behörde die Bedingungen anpassen.
Warum der Schritt für die Branche bedeutsam ist
Für Firmen wie Zoox, die ihre Fahrzeuge von Grund auf für das computergesteuerte Fahren entwickeln, ist die Freigabe ein Durchbruch. Andere Anbieter gehen bislang einen anderen Weg: Der Robotaxi-Vorreiter Waymo, eine Google-Schwesterfirma, rüstet herkömmliche Autos um und erprobt schrittweise, mit welchen Situationen die Software ohne Sicherheitsfahrer umgehen kann. Auch Tesla hat inzwischen eine Kleinserie seines lenkradlosen Modells Cybercab produziert – allerdings ohne Fahrerlaubnis und bislang ohne veröffentlichten Plan, eine solche zu erlangen. Genehmigungen dieser Art hängen in der Regel von jahrelang dokumentierten Tests ab.
Für Zoox bedeutet die Entscheidung, dass das Unternehmen im wachsenden Wettbewerb um bezahlte Robotaxi-Dienste erstmals Geld verdienen kann – vorausgesetzt, Bundesstaaten und Kommunen genehmigen den Betrieb vor Ort.
Was als Nächstes geplant ist
Laut einer Mitteilung will Zoox im kommenden Monat in Las Vegas mit dem Kassieren von Fahrpreisen beginnen. Anschließend soll der Dienst ausgeweitet werden; als weitere Ziele nennt das Unternehmen Miami und Austin. Am kalifornischen Firmensitz steht die Zustimmung verschiedener staatlicher Behörden noch aus. Die NHTSA geht laut Morrison davon aus, bundesweite Sicherheitsstandards für automatisierte Fahrsysteme bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Trump 2028 zu entwickeln.
Würden Sie in ein Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale einsteigen – oder überwiegt für Sie die Skepsis? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren.






























