Das kalifornische Startup Revoy hat einen ungewöhnlichen Weg gefunden, um schwere Diesel-Lastwagen sauberer und günstiger zu betreiben, ohne sie gleich zu verschrotten. Statt ganze Flotten durch teure Elektro-Sattelzüge zu ersetzen, koppelt das 2020 gegründete Unternehmen aus San Francisco einen austauschbaren, selbst angetriebenen Elektro-Anhänger zwischen Zugmaschine und Ladeanhänger. Der sogenannte Dolly verwandelt einen bestehenden Diesel-Truck damit faktisch in einen Hybrid. Angetrieben wird das Ganze von einem 575-kWh-Akku, der laut Hersteller die Emissionen um bis zu 85 Prozent senken kann. Angeboten wird die Technik Flottenbetreibern nicht zum Kauf, sondern per Abonnement.
- Revoy koppelt einen 575-kWh-Elektro-Dolly zwischen Zugmaschine und Anhänger und macht Diesel-Lkw so zum Hybrid.
- Die Firma verspricht bis zu 85 Prozent weniger CO₂ und deutlich bessere Kraftstoffwerte.
- Der erste kommerzielle Einsatz startet 2026 in Oregon auf einer rund 322 Kilometer langen Strecke bei Portland.
Was zwischen Zugmaschine und Anhänger andockt
Die Einheit verbindet sich direkt mit der Sattelkupplung der Zugmaschine und dem Frachtanhänger. Sie ist 13 Fuß (3,96 Meter) lang und wiegt rund 22.000 Pfund (9.979 Kilogramm). Im Inneren sitzt ein 575-kWh-Akku auf Lithium-Eisenphosphat-Basis, der eine elektrisch angetriebene Achse speist – hier passiert die eigentliche Arbeit.
Tritt der Fahrer aufs Gas, liest das System den Leistungsbedarf aus und lässt den Elektromotor die schwere Last übernehmen, sodass der Dieselmotor nicht überstrapaziert wird. Beim Bremsen wechselt der Motor in den Rekuperationsmodus, lädt den Akku nach und hilft gleichzeitig beim Verzögern. Der Dolly bringt zudem aktive Sicherheitssysteme mit, die vor dem Umkippen und dem Einknicken schützen, und unterstützt Totwinkel-Erkennung sowie automatisches Rückwärtsfahren.
Warum das für Flotten interessant ist
Ausgestattet mit dem Anhänger kann ein Sattelzug mit 80.000 Pfund Gesamtgewicht (36.287 Kilogramm) laut Revoy mehr als 200 bis 250 Meilen (322 bis 402 Kilometer) rein elektrisch zurücklegen. Der Kraftstoffverbrauch sinke von den üblichen 6 bis 8 mpg (29,4 bis 39,2 l/100 km) auf 20 bis 35 mpg (6,7 bis 11,8 l/100 km) und erreiche auf kurzen Strecken unter 150 Meilen (241 Kilometer) sogar 40 mpg (5,9 l/100 km).
Kraftstoff macht bei einem Lkw-Betreiber üblicherweise mehr als ein Fünftel der Betriebskosten aus – Einsparungen dort schlagen also unmittelbar durch.
Nach Angaben von CEO Peter Reinhardt liegt der Diesel-Einzelhandelspreis in den USA infolge des Krieges mit dem Iran noch rund 40 Prozent über dem Vorkriegsniveau von etwa 3,80 US-Dollar pro Gallone (rund 3,50 Euro). Ein früherer Bericht von FleetOwner beziffert das Einsparpotenzial auf durchschnittlich 25.000 US-Dollar (rund 23.000 Euro) pro Lkw und Jahr allein bei den Kraftstoffkosten – eine Zahl, die Flottenmanager aufhorchen lässt.
Der Größe des Marktes verleihen weitere Zahlen Gewicht: In den USA sind laut Bloomberg rund drei Millionen schwere Frachtlaster registriert, die jeweils etwa 60.000 Meilen (96.561 Kilometer) pro Jahr fahren. Das summiere sich auf einen 900-Milliarden-Dollar-Markt (rund 830 Milliarden Euro), der jährlich etwa 300 Millionen Tonnen CO₂ ausstoße – 6,7 Prozent aller Treibhausgasemissionen der USA.
Getauscht statt geladen
Statt den riesigen Akku über Stunden aufzuladen, setzt Revoy auf den Tausch. Das Unternehmen baut ein Netz aus Autobahn-Hubs auf, an denen ein Lkw eine leere Einheit gegen eine frische eintauschen kann – der komplette Wechsel soll in unter fünf Minuten erledigt sein. Die Ideengeschichte reicht in die Robotik zurück: CTO Ian Rust, zuvor beim Robotaxi-Startup Cruise, beschreibt den Ansatz gegenüber Bloomberg als eine Art Exoskelett für den Truck. „Statt den Fahrer zu entfernen, nutzen wir Robotik, um die Kraftstoffquelle zu wechseln.“
Wie es weitergeht
Die Hardware wird nicht verkauft, sondern als Abo-Dienst überlassen. Die Zulassung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA erhielt Revoy 2023, 2024 folgte ein einjähriger Pilotversuch mit dem Frachtunternehmen Ryder System. Der erste kommerzielle Betrieb startet 2026 in Oregon mit zunächst vier Dollys aus chinesischen Komponenten. Auf einer rund 200 Meilen langen Strecke bei Portland kommen dabei gebrauchte Diesel-Lkw zum Einsatz, deren Fahrer Revoy schult.
Zuletzt sammelte das Unternehmen 27 Millionen US-Dollar (rund 25 Millionen Euro) ein, womit die Gesamtfinanzierung auf 41 Millionen US-Dollar (rund 38 Millionen Euro) steigt. Damit entwickelt Revoy einen günstigeren Dolly der zweiten Generation mit kleinerem Akku bei gleicher elektrischer Reichweite von 200 Meilen. Bis Ende 2027 sollen Dutzende dieser Einheiten auf US-Frachtrouten unterwegs sein. Vorerst konzentriert sich das Startup auf die USA, langfristig hofft Rust jedoch, die Technik auch in andere Märkte zu bringen.
Wäre ein nachrüstbarer Elektro-Anhänger auch für den europäischen Güterverkehr ein sinnvoller Zwischenschritt zur Klimaneutralität – oder führt am vollelektrischen Lkw langfristig kein Weg vorbei? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren.






























