Forschende der University of Plymouth haben einen neuen Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Meeresplankton und pelagische Lebensräume in den Gewässern Großbritanniens und Irlands vorgelegt. Die von der Marine Climate Change Impacts Partnership (MCCIP) veröffentlichte Studie fasst die aktuelle Beweislage zusammen und beschreibt bereits laufende, großflächige Verschiebungen in den Planktongemeinschaften. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren werden diese Veränderungen durch menschliche Aktivitäten wie kommerzielle Fischerei, den Ausbau von Offshore-Energieinfrastruktur sowie durch Einträge aus der Landwirtschaft und anderen landbasierten Industrien zusätzlich verstärkt.
- Der MCCIP-Bericht dokumentiert großflächige Veränderungen im Plankton britischer und irischer Gewässer.
- Klimawandel und menschliche Aktivitäten wie Fischerei und Offshore-Ausbau verstärken die Effekte.
- Für den Bericht wurden mehr als 500 Studien ausgewertet, koordiniert von 17 Fachleuten.
Auswertung von mehr als 500 Studien
Der Bericht wurde von einem Team um Dr. Matthew Holland, Professorin Abigail McQuatters-Gollop und Matthew Faith vom Center for Marine Biology and Conservation Science (CMACS) der Universität verfasst. Beteiligt waren zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Marine Biological Association, des Plymouth Marine Laboratory, der Environment Agency, von Cefas, der schottischen Regierung sowie der Scottish Association for Marine Science.
Auf Einladung des britischen Umweltministeriums Defra führte Holland eine gezielte Auswertung der wissenschaftlichen Literatur durch und sichtete dabei mehr als 500 Studien. Die gesammelten Befunde wurden nach der Art der beobachteten Veränderung, den identifizierten Ursachen und der geografischen Region geordnet. Insgesamt koordinierte Holland eine Gruppe von 17 Ko-Autorinnen und Ko-Autoren, um die wissenschaftliche Genauigkeit sicherzustellen.
Warum Plankton für das gesamte Ökosystem zählt
Plankton bildet die Grundlage der marinen Nahrungsnetze: Die mikroskopisch kleinen Organismen sind Ausgangspunkt vieler Nahrungsketten und spielen eine zentrale Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Ozeane. Verändert sich diese Basis, kann das nach Einschätzung der Fachleute Auswirkungen bis in die höheren Ebenen des Nahrungsnetzes haben.
Die Autorinnen und Autoren weisen auf deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bereichen der Küsten- und Meeresumwelt hin. In manchen Regionen erschwert eine lückenhafte Überwachung eindeutige Aussagen über Trends und Prognosen. Insgesamt erwarten die Forschenden jedoch, dass die bereits beobachteten Effekte das gesamte marine Ökosystem betreffen und künftig die Effizienz und Produktivität des Nahrungsnetzes beeinflussen dürften.
„Plankton mag mikroskopisch klein sein, doch es gehört zu den wichtigsten Organismen auf unserem Planeten – ohne es wäre die Erde ein völlig anderer Ort“, sagte McQuatters-Gollop, Professorin für Meeresschutz.
Aufruf zu mehr Aufmerksamkeit in der Meerespolitik
Für den Menschen weniger sichtbar als Fische oder Meeressäuger, erhält Plankton nach Ansicht der Beteiligten in der Meerespolitik oft zu wenig Beachtung. Holland äußerte die Hoffnung, dass der Bericht dazu beitrage, Plankton und pelagische Lebensräume stärker in der Meerespolitik und in der Klimaanpassungsplanung zu berücksichtigen.
„Indem wir die neueste Beweislage zusammenfassen, wollen wir politischen Entscheidungsträgern, Verantwortlichen und der breiten Öffentlichkeit ein besseres Verständnis dafür vermitteln, wie der Klimawandel die britischen Meere bereits verändert“, so der Studienleiter.
Der neue MCCIP-Bericht baut auf einer früheren Bewertung aus dem Jahr 2020 auf, an der die Universität ebenfalls beteiligt war. Seither haben Forschende in Großbritannien und Europa zahlreiche Studien vorgelegt, die die Bedeutung von Plankton unterstreichen. Die Arbeit fügt sich zudem in laufende europäische Bemühungen ein, den Zustand mariner Ökosysteme etwa für OSPAR zu bewerten – jene internationale Konvention, die für den Schutz des Nordost-Atlantiks zuständig ist.
Sollten mikroskopisch kleine Lebewesen wie Plankton in der Meeres- und Klimapolitik mehr Gewicht bekommen? Teilen Sie Ihre Sicht in den Kommentaren.






























