Männer ab 50 Jahren verfügen einer neuen Untersuchung zufolge über deutlich zu geringes Wissen zur gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) – und das, obwohl sie der Erkrankung insgesamt aufgeschlossen und mit aktivem Gesundheitsverhalten begegnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Querschnittsstudie, die online am 17. Juli in der Fachzeitschrift Neurourology and Urodynamics veröffentlicht wurde. Durchgeführt wurde sie von Shuqing Li vom Beijing Chao-Yang Hospital und Kollegen an vier medizinischen Einrichtungen in Peking. Befragt wurden Männer ab 50 Jahren zwischen dem 1. Juli 2023 und dem 30. April 2024 zu ihrem Wissen, ihrer Einstellung und ihrem Verhalten gegenüber der Erkrankung.
- Insgesamt flossen 444 gültige Fragebögen in die Auswertung ein; 43 Prozent der Befragten waren zwischen 60 und 69 Jahre alt.
- Der mittlere Wissenswert lag bei 8,68 von möglichen 20 Punkten – ein deutlich unterdurchschnittlicher Wert.
- Einstellung und Verhalten fielen dagegen positiv aus (32,43 von 45 bzw. 38,48 von 50 Punkten).
Die Forschenden werteten drei Dimensionen getrennt aus. Während der Wissensstand mit einem Mittelwert von 8,68 bei einer möglichen Spanne von 0 bis 20 gering ausfiel, erreichten die Teilnehmer bei der Einstellung 32,43 Punkte (Spanne 9 bis 45) und beim praktischen Verhalten 38,48 Punkte (Spanne 10 bis 50). Die Männer zeigten sich also grundsätzlich bereit, sich um ihre Gesundheit zu kümmern – ohne die Erkrankung wirklich zu verstehen.
Wissen beeinflusst Einstellung und Verhalten direkt
Mithilfe eines statistischen Modells (Strukturgleichungsmodell) zeigten die Autoren, dass das Wissen einen signifikanten direkten Einfluss sowohl auf die Einstellung als auch auf das Verhalten hat. Auch die Einstellung wirkte sich direkt auf das Verhalten aus. Zusätzlich fand sich ein indirekter Effekt: Wissen beeinflusst das Verhalten teilweise über die Einstellung. Vereinfacht heißt das: Wer mehr über die Erkrankung weiß, geht tendenziell auch besser mit ihr um.
„Die Studie hat gezeigt, dass Männer ab 50 Jahren zwar generell eine positive Einstellung und ein proaktives Verhalten gegenüber BPH an den Tag legten, ihr Wissensstand über die Erkrankung jedoch unzureichend war“, schreiben die Autoren. „Diese Lücke deutet auf ein Missverhältnis hin, das die wirksame Behandlung von BPH beeinträchtigen könnte.“
Was die gutartige Prostatavergrößerung bedeutet
Die benigne Prostatahyperplasie ist eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, die vor allem bei älteren Männern auftritt. Sie kann das Wasserlassen erschweren und die Lebensqualität spürbar beeinträchtigen. Da sie nicht bösartig ist, wird sie oft unterschätzt – ein Grund, warum das Wissen über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene besonders wichtig ist.
Ein aktiver Umgang mit der eigenen Gesundheit nützt wenig, wenn Betroffene die Warnzeichen und Behandlungswege nicht richtig einordnen können.
Für die Praxis legt die Untersuchung nahe, dass gezielte Aufklärung ansetzen sollte. Die Studie wurde in Peking durchgeführt; ihre Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres eins zu eins auf andere Länder übertragen. Für den deutschsprachigen Raum, in dem regelmäßige urologische Vorsorge ab einem bestimmten Alter empfohlen wird, unterstreicht sie dennoch, wie entscheidend verständliche Information über häufige Alterserkrankungen des Mannes ist – gerade weil die Bereitschaft zur Vorsorge häufig ohnehin vorhanden ist.
Zu beachten ist, dass es sich um eine Querschnittsstudie handelt. Sie beschreibt Zusammenhänge zu einem bestimmten Zeitpunkt und belegt keine Ursache-Wirkungs-Beziehung im strengen Sinne.
Fühlen Sie sich über typische Alterserkrankungen wie die Prostatavergrößerung ausreichend informiert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit Vorsorge und Aufklärung in den Kommentaren.






























