Für den Aufbau des künstlichen-Intelligenz-Booms sind nicht nur Programmierer gefragt, sondern vor allem Menschen, die tatsächlich bauen können: Ingenieure, Elektriker und Installateure. Genau diese Fachkräfte sucht nun Elon Musk für seine Raumfahrtfirma SpaceX. In einem Beitrag auf seiner Plattform X kündigte der Unternehmer an, „herausragende Ingenieur- und Handwerkstalente“ einzustellen, um die „leistungsstärksten KI-Supercomputer-Cluster auf und außerhalb der Erde“ zu bauen und zu betreiben. Bewerben soll man sich denkbar schlicht: mit einem Lebenslauf und drei Stichpunkten, die „außergewöhnliche Fähigkeiten belegen“, per E-Mail an eine eigens eingerichtete Adresse.
- SpaceX sucht Ingenieure und Handwerker für KI-Rechenzentren „auf und außerhalb der Erde“.
- Bewerbung: drei Stichpunkte plus Lebenslauf an [email protected].
- Die Firma betreibt über SpaceXAI bereits den Supercomputer Colossus in Memphis.
Warum das Handwerk plötzlich im Zentrum der KI-Wirtschaft steht
Für ein deutschsprachiges Publikum, in dem Fachkräftemangel und die Wertschätzung des Handwerks seit Jahren Dauerthemen sind, liefert Musks Aufruf eine bemerkenswerte Botschaft: Der Ausbau der KI-Infrastruktur schafft handfeste Arbeit für Menschen ohne akademischen Hintergrund. Dieselbe Einschätzung äußerte Nvidia-Chef Jensen Huang im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Im Gespräch mit Blackrock-Chef Larry Fink sagte er, der KI-Ausbau werde viele Jobs für „Klempner, Elektriker, Bauarbeiter und Stahlarbeiter“ schaffen. Beschäftigte könnten damit ein „gutes Auskommen“ erzielen – „und dafür braucht man keinen Doktortitel in Informatik“.
Der Bau von Rechenzentren wird damit zu einem der greifbarsten Wirtschaftsfaktoren des KI-Zeitalters – abhängig von genau jenen Berufen, die auch im deutschsprachigen Raum händeringend gesucht werden.
Zur Einordnung: Rechenzentren sind die physischen Herzstücke der KI. In ihnen laufen die Server, die KI-Modelle trainieren und betreiben. Laut Pew Research gibt es allein in den USA bereits mehr als 3000 in Betrieb befindliche Rechenzentren, über 1500 weitere sind im Bau.
Die drei Stichpunkte als Musks Markenzeichen
Die Bewerbung über drei Stichpunkte ist längst ein Erkennungszeichen von Musks Personalpolitik geworden. Bereits in der Vergangenheit forderte der Tesla- und SpaceX-Chef Kandidaten für Bürojobs auf, entweder drei Belege für „außergewöhnliche Fähigkeiten“ oder die drei „schwierigsten technischen Probleme“ zu nennen, die sie gelöst haben. Neu ist, dass er diese Methode nun auf handwerkliche Berufe ausweitet.
Der Vorstoß fügt sich in Musks wachsende KI-Ambitionen ein. Anfang des Jahres übernahm SpaceX Musks KI-Start-up xAI, das seither unter dem Namen SpaceXAI firmiert. SpaceXAI betreibt den großen Rechnerkomplex Colossus im US-Bundesstaat Tennessee, in dem die firmeneigenen Grok-Modelle trainiert werden.
Rechenzentren im Weltraum als Antwort auf den Energiehunger
Der Zusatz „außerhalb der Erde“ ist mehr als eine Marketing-Formel. Er verweist auf Musks Vorstellung, Rechenzentren im All zu platzieren – als möglichen Ausweg aus dem enorm steigenden Energiebedarf der KI. Ob die neuen Beschäftigten tatsächlich einmal im Weltraum oder auf anderen Planeten arbeiten müssten, ließ das Unternehmen offen. Aktuell ist jede auf der SpaceX-Website ausgeschriebene Stelle mit einem Standort auf der Erde versehen.
Dass diese Ziele kein reines Gedankenspiel sind, zeigt der Börsenprospekt, den SpaceX vor seinem Börsengang am 12. Juni veröffentlichte. Darin ist Musks Vergütung direkt an den Ausbau planetarer Infrastruktur gekoppelt: Eine Milliarde Aktien der Klasse B könnten ihm zufallen, sollte eine „dauerhafte menschliche Kolonie auf dem Mars mit mindestens einer Million Bewohnern“ entstehen. Weitere Aktienpakete sind an die „Fertigstellung nicht-erdgebundener Rechenzentren“ gebunden, die 100 Terawatt Rechenleistung pro Jahr liefern können.
Vom Mond bis zum Asteroidenbergbau – und ein skeptischer Aktienkurs
Der Prospekt zählt eine Reihe künftiger Geschäftsfelder auf, die von der Erde aus kaum umsetzbar wären: den Aufbau einer „Mondwirtschaft“ mit Fertigung und Energieerzeugung auf dem Mond, Energiegewinnung auf dem Mars, Weltraumtourismus, Punkt-zu-Punkt-Reisen auf der Erde sowie den Abbau von Metallen und Rohstoffen auf erdnahen Asteroiden.
Nicht alle teilen Musks Zuversicht. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung wurde die SpaceX-Aktie zu 108 US-Dollar gehandelt (rund 100 Euro) – und damit 27 Dollar (etwa 25 Euro) unter dem Ausgabepreis beim Börsengang. Musk selbst rechnet damit, dass bis 2050 eine Million Menschen auf dem Mars leben könnten. Für die heutigen Neueinstellungen bedeutet das: Wer jetzt anfängt, könnte dereinst nicht nur Infrastruktur auf der Erde bauen, sondern auch dauerhafte Wohnstätten weit darüber hinaus.
Würden Sie sich mit drei Stichpunkten auf einen Job bei SpaceX bewerben – und was halten Sie von Rechenzentren im Weltall? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.






























