Ford-Chef Jim Farley rechnet damit, dass chinesische Autobauer trotz hoher Zölle und schärferer Gesetze schon in fünf bis zehn Jahren Fahrzeuge in den USA verkaufen werden. Das sagte er nach übereinstimmenden Berichten bei einer internen Betriebsversammlung Anfang der Woche. Farley und weitere Führungskräfte des Konzerns aus Dearborn im US-Bundesstaat Michigan gingen dabei davon aus, dass ein Markteintritt eher am hinteren Ende dieser Zeitspanne wahrscheinlich sei. Die Informationen stammen laut Nachrichtenagentur Reuters von drei Personen, die an dem Treffen teilnahmen. Für die US-Autoindustrie bedeutet die Einschätzung vor allem eines: eine klare Frist, um sich auf die neue Konkurrenz vorzubereiten.
- Farley erwartet chinesische Autobauer in den USA binnen fünf bis zehn Jahren, eher später.
- Chinesische E-Autos sind derzeit durch rund 100 Prozent Zoll und Software-Verbote blockiert.
- Ford entwickelt eine Reihe günstigerer E-Autos, darunter einen Elektro-Pickup für rund 30.000 US-Dollar (etwa 28.000 Euro) ab 2027.
Es ist nicht das erste Mal, dass Farley die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Hersteller thematisiert. Neu ist jedoch der konkrete Zeitrahmen: Bislang hatten Ford-Manager zwar gewarnt, China stehe „vor der Haustür“ Amerikas, sich aber nicht so deutlich festgelegt wie in der jüngsten Sitzung.
Hohe Zölle und Software-Verbote schotten den US-Markt bislang ab
Aktuell sind chinesische Elektroautos in den USA praktisch ausgesperrt. Auf sie wird ein Zoll von rund 100 Prozent erhoben. Hinzu kommt eine Regelung des US-Handelsministeriums, die chinesische Software ab Modelljahr 2027 und chinesische Hardware ab Modelljahr 2030 in vernetzten Fahrzeugen untersagt. Diese Vorschriften zwangen bereits die weitgehend zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Marke Polestar dazu, sich nach dem Modelljahr 2026 aus den USA zurückzuziehen – obwohl ihr SUV Polestar 3 in einem Volvo-Werk in South Carolina gebaut wird.
Zusätzlich drängt der US-Senat darauf, das Verkaufsverbot für chinesische Autos weiter auszuweiten. Das Thema gehört zu den wenigen, bei denen beide großen Parteien in Washington an einem Strang ziehen.
Fords Führung setzt jedoch offenkundig nicht darauf, dass diese Schutzmauern für immer halten.
Das machte Executive Chairman Bill Ford kürzlich deutlich. „Wir müssen China auf Augenhöhe begegnen“, sagte er bei einer Axios-Veranstaltung. „Wir können nicht erwarten, sie für immer draußen zu halten, und wir müssen in der Lage sein, sie in ihrem eigenen Spiel zu schlagen.“
Erfolge in Europa und Australien nähren die Sorge
Für diese Sorge gibt es reichlich Anschauungsmaterial aus Märkten, in denen chinesische Marken bereits antreten dürfen. In Europa entfällt inzwischen rund jeder zehnte Neuwagenverkauf auf chinesische Hersteller. In Großbritannien registrierte die Marke Jaecoo im Januar 2025 ihr erstes Fahrzeug – nur 13 Monate später war eines ihrer SUV der meistverkaufte Neuwagen des Landes.
Ähnlich verlief es andernorts: Der BYD Shark ist zum meistverkauften Pickup Australiens geworden, und in Mexiko – dem direkten Nachbarn der USA – haben chinesische Marken eine starke Position aufgebaut. Auch Kanada lässt eine begrenzte Zahl chinesischer Elektroautos zu. Fachleute sehen das dem US-Markt sehr ähnliche Kanada als eine Art Testmarkt für Hersteller, die den Sprung zu den amerikanischen Kunden vorbereiten. Umfragen zufolge steigt zugleich das Interesse der US-Verbraucher an solchen Modellen – gerade weil bezahlbare Elektroautos dort noch rar sind.
Ford setzt auf eine eigene Familie günstiger Elektroautos
Der Konzern will nicht abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Ford arbeitet an einer neuen Reihe erschwinglicher Elektroautos, die von Grund auf auf niedrige Kosten und effizientere Fertigung ausgelegt sind – ausdrücklich mit dem Ziel, den Preis und die Effizienz vergleichbarer chinesischer Fahrzeuge zu erreichen. Dazu gehört ein Elektro-Pickup für rund 30.000 US-Dollar (etwa 28.000 Euro), der 2027 auf den Markt kommen soll. In Europa kooperiert der Hersteller zudem mit Geely, wo der Wettbewerb aus China etablierte Anbieter bereits zum Umdenken zwingt.
Ob Fahrzeuge von BYD oder Jaecoo tatsächlich schon in wenigen Jahren auf amerikanischen Parkplätzen stehen, lässt sich nicht vorhersagen. Für deutsche Leserinnen und Leser, die die chinesische Modelloffensive auf dem heimischen Markt längst kennen, klingt Fords Kalkül vertraut: Der Konzern will nicht erst merken, dass Zölle keine dauerhafte Absicherung waren, wenn es zu spät ist.
Glauben Sie, dass günstige chinesische Elektroautos den US-Markt tatsächlich erobern – und was bedeutet das für europäische Käufer? Schreiben Sie uns Ihre Einschätzung in den Kommentaren.






























