Im Herzen der nordamerikanischen Autoindustrie ist am Montag eine neue Verkehrsader in Betrieb gegangen: Die Gordie-Howe-Brücke verbindet das US-amerikanische Detroit mit dem kanadischen Windsor in Ontario über den Detroit River. Für die grenzüberschreitende Wirtschaftsregion, in der täglich tausende Lastwagen mit Fahrzeugteilen und Waren pendeln, ist die sechsspurige Brücke ein zentrales Bauwerk. Detroit gilt laut US-Verkehrsministerium als wichtigster Lkw-Grenzübergang zwischen den USA und Kanada. Eröffnet wurde die Brücke für Autos, Lastwagen und andere Fahrzeuge – der Höhepunkt eines jahrelangen Projekts, das zuletzt spürbar unter der politischen Großwetterlage gelitten hatte.
- Die Gordie-Howe-Brücke zwischen Detroit und Windsor ist seit Montag für den Verkehr freigegeben.
- Kanada baute die 2,4 Kilometer lange Brücke zu Kosten von 6,4 Milliarden kanadischen Dollar.
- Der Zollstreit zwischen Washington und Ottawa überschattete die Eröffnung – US-Vertreter waren beim kanadischen Festakt nicht eingeladen.
Zu den ersten, die den Fluss überquerten, gehörten Nachfahren von Gordie Howe, jener Eishockeylegende, nach der die Brücke benannt ist. Der US-Senator Gary Peters aus Michigan fuhr mit dem Motorrad hinüber, Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer steuerte einen Ford Mustang mit offenem Verdeck – ein symbolträchtiges Bild ausgerechnet aus der Autostadt.
Eine günstigere Alternative für den Güterverkehr
Die neue Verbindung bricht ein Monopol auf: Bislang war die privat betriebene Ambassador Bridge die einzige Route für die großen Lastwagen, die Waren im Milliardenwert zwischen beiden Ländern transportieren – vor allem für die Autoindustrie. Die Gordie-Howe-Brücke bietet nun eine kostengünstigere Alternative.
»Es sind tausende Lastwagen, die täglich hinüberfahren«, sagte Kevin Ketels, der an der Wayne State University Lieferkettenmanagement lehrt. Für einen deutschsprachigen Leser bedeutet das: Die nordamerikanische Fahrzeugproduktion ist über Grenzen hinweg tief verzahnt, Bauteile überqueren mehrfach die Grenze, bevor ein Auto fertig ist. Reibungslose Übergänge sind damit ein direkter Kostenfaktor.
Jim Pereira, der für den Logistiker Onfreight aus Ontario Fahrzeugteile transportierte, wurde als erster Trucker gefeiert, der in Detroit ankam. Der 58-Jährige ließ mehrfach die Druckluft-Hupe ertönen, machte Selfies mit den Zollbeamten und rechnet nach eigenen Worten mit kürzeren Fahrzeiten auf beiden Seiten.
Die Brücke ist rund 2,4 Kilometer (1,5 Meilen) lang und erhebt sich an ihrem höchsten Punkt etwa 46 Meter (151 Fuß) über den Fluss. Ab dem 5. August dürfen Fußgänger und Radfahrer sie kostenlos überqueren. Der kanadische Infrastrukturminister verwies auf die Form des Bauwerks, das an die gebogene Kelle eines Eishockeyschlägers erinnere; die Stahlseile wirken wie überdimensionale Harfen.
Der Handelsstreit überschattet die Feier
Die Eröffnung fiel in eine angespannte politische Phase. Vergangene Woche hatte Kanada die Brücke mit einer Zeremonie in Windsor gefeiert – ohne US-amerikanische und Vertreter aus Michigan, die nach US-Präsident Donald Trumps überraschender Ankündigung von 50-prozentigen Zöllen auf kanadische Waren wieder ausgeladen worden waren.
Mehr als 70 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die USA, die damit der größte Handelspartner des Landes sind.
»Die Spannungen zwischen den beiden Regierungen sind für uns in dieser Region sehr belastend«, sagte Ketels. Viele empfänden sie als unnötig.
Wer an den Einnahmen verdient
Eine jüngere Vereinbarung zwischen Kanada und der Trump-Regierung sieht vor, dass Kanada 15 Jahre lang einen Teil der Mauteinnahmen mit der US-Bundesregierung teilt. Der Bundesstaat Michigan hatte bereits 2012 unter dem damaligen Gouverneur Rick Snyder einen eigenen Anteil ausgehandelt. Ausgezahlt wird dieser jedoch erst, wenn Kanada seine Baukosten wieder eingespielt hat – voraussichtlich erst in Jahrzehnten. Whitmer setzte die von Snyder begonnene Arbeit fort, den Brückenkopf auf der US-Seite an das Autobahnnetz in Detroit anzuschließen.
Freddie Garrett, 81, hatte den Bau nach eigenen Worten seit dem Setzen der Fundamente 2018 verfolgt und kam zum Delray Park, um die ersten Fahrzeuge über sich fahren zu sehen. »Es war erstaunlich zu sehen, wie sie das gemacht haben«, sagte er. »Sie haben Abschnitt für Abschnitt errichtet, bis sie sich in der Mitte trafen.«
Namensgeber Gordie Howe, als »Mr. Hockey« eine kanadische Ikone, trug bei den Detroit Red Wings in der NHL die Nummer 9. Er starb 2016.
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