Die US-Staatsanwaltschaft in Washington zieht ihre Anklage gegen den früheren Olympia-Kanuten David Hearn zurück. In einem am Freitagabend eingereichten Gerichtsdokument räumte US-Staatsanwältin Jeanine Pirro ein, dass der Schaden am historischen Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial nicht durch Vandalismus, sondern durch eine misslungene Installation des beauftragten Bauunternehmens entstanden sei. Für den 67-Jährigen, dem ein Verfahren wegen schwerer Sachbeschädigung mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu zehn Jahren drohte, bedeutet das die Einstellung des Verfahrens. Der Prozess hätte am 28. September beginnen sollen.
- Die Anklage gegen David Hearn wegen mutmaßlichen Vandalismus am Reflecting Pool wird fallengelassen.
- Laut Staatsanwaltschaft verursachte eine überstürzte, fehlerhafte Sanierung den Schaden.
- Präsident Trump widersprach seiner eigenen Staatsanwältin und beharrt auf der Vandalismus-These.
Noch Anfang des Monats hatte Pirro die Anklage mit großem Auftritt verkündet und von »enormen Beweisen« gesprochen. Zeugen hätten gesehen, wie Hearn »gewaltsam« ein Stück der neuen Beckenauskleidung herausgerissen habe. Nun spricht die von Trump ernannte Staatsanwältin von neuen Erkenntnissen, die »die Beweisgrundlage für die Anklage untergraben«.
Eine überstürzte Sanierung als eigentliche Ursache
Der Reflecting Pool war in diesem Jahr im Rahmen von Trumps Plänen zur Umgestaltung der Hauptstadt trockengelegt und neu gestaltet worden – über einen Auftrag ohne Ausschreibung im Umfang von rund 14,7 Millionen Dollar (etwa 13 Millionen Euro). Das Becken sollte, mit einer neuen Auskleidung in »amerikanischem Flaggenblau«, rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten am 4. Juli präsentiert werden.
Doch kurz nach der Fertigstellung blätterte die frische Beschichtung ab, das Wasser färbte sich durch Algenwachstum grün – genau das Problem, das die Sanierung hätte beheben sollen. Laut den Gerichtsunterlagen führten der Druck, das Projekt vor den Feiern abzuschließen, verzögerte Arbeiten, schlechtes Wetter und wiederholt gescheiterte Tests zu einer »hastigen und verpfuschten« Ausführung.
Eine spätere Sichtprüfung ergab Schäden im gesamten Becken – auch in der Mitte, wo ein Vandale die Auskleidung nach Einschätzung der Ermittler kaum abgelöst hätte.
Pirro machte in dem Dokument zugleich das Innenministerium mitverantwortlich: Es habe zu Beginn »weniger als vollständige Informationen« geliefert und verschwiegen, dass sich die Auskleidung bereits zwei Tage nach Projektabschluss gelöst habe. Hätte das Ministerium die vorhandenen Unterlagen offengelegt, so die Staatsanwältin, wäre es nie zu einer Anklage vor der Grand Jury gekommen.
Trump widerspricht seiner eigenen Staatsanwältin
Für das US-Justizministerium, das Trumps Vandalismus-Vorwürfe zuvor öffentlich mitgetragen hatte, ist die Kehrtwende ein Rückschlag. Der Präsident selbst reagierte am Samstag in den sozialen Medien mit deutlicher Kritik: »Ich widerspreche Jeanine Pirro zu 100 Prozent.« Zwar räumte er ein, es könne »einige Schwierigkeiten mit dem Auftragnehmer« gegeben haben, beharrte aber ohne neue Belege darauf, dass der Großteil des Schadens von »VANDALEN« verursacht worden sei. Dazu verbreitete er ein rund vierminütiges Video, das aus einer Überwachungskamera zu stammen scheint.
Hearn hatte die Vorwürfe stets bestritten. Nach eigener Darstellung hielt der Kanute, der an drei Olympischen Sommerspielen teilnahm, nach einer Radtour am Becken an und griff ins Wasser, um die sich ablösende Beschichtung zu fühlen. »Ich bin ein neugieriger Bürger«, sagte er. Statt einer Erklärung sei ihm die Festnahme gefolgt.
Anwälte fordern eine Entschuldigung
Hearns Anwaltsteam kritisierte sowohl Trump als auch Pirro und prüft nach eigenen Angaben »rechtliche Schritte«. Der Fall hätte »niemals erhoben werden dürfen«, hieß es in einer Erklärung. Pirros Darstellung, ihr Büro sei vom Innenministerium getäuscht worden, sei »Unsinn« – man habe von Beginn an belegt, dass die verpfuschte Sanierung und nicht ihr Mandant verantwortlich sei. Die Regierung schulde Hearn eine Entschuldigung.
Der Reflecting Pool zählt zu den symbolträchtigsten Orten der US-Hauptstadt. Zwischen Washington Monument und Lincoln Memorial gelegen, bildete das rund 618 Meter lange Becken unter anderem 1963 die Kulisse für Martin Luther Kings »I Have a Dream«-Rede. Von mehreren Personen, die im Zusammenhang mit dem Becken festgenommen wurden, war allein Hearn wegen schwerer Sachbeschädigung angeklagt worden.
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