Der Krieg zwischen den USA und dem Iran greift immer weiter auf die gesamte Region über: Am Samstag reklamierte die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz aus dem Jemen Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien. Nach Angaben des Huthi-Militärsprechers Yahya Saree zielten die Angriffe auf Einrichtungen des Ölkonzerns Aramco in den Hafenstädten Janbu und Dschaisan am Roten Meer. Der saudische Zivilschutz löste in beiden Städten mehrfach Warnungen aus, äußerte sich darüber hinaus aber zunächst nicht. Der Vorstoß folgt auf saudische Luftangriffe gegen die Hafenstadt Hudaida vom Freitag – und markiert die Ausweitung des Konflikts auf eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
- Die Huthi meldeten Angriffe auf Aramco-Anlagen in Janbu und Dschaisan; Saudi-Arabien gab Warnungen aus.
- Nach griechischen Sicherheitskreisen fing die saudische Luftabwehr zwei ballistische Raketen sowie eine Drohne ab.
- Das US-Militär kündigte erstmals seit 13 Nächten keine neuen Luftschläge gegen den Iran an.
Laut griechischen Sicherheitskreisen fing die saudische Luftabwehr zwei ballistische Raketen ab, die auf Ölraffinerien in Janbu gerichtet gewesen sein sollen. Das Abwehrsystem sei von griechischem Militärpersonal bedient worden; später habe ein Patriot-System in der Region eine aus dem Jemen gestartete Drohne abgeschossen. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor. Dschaisan liegt rund 1000 Kilometer weiter südlich nahe der Grenze zum Jemen.
Saudische Luftangriffe auf Hudaida lösten die jüngste Eskalation aus
Auslöser der aktuellen Zuspitzung war eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die am Freitag die von den Huthi kontrollierte Hafenstadt Hudaida angriff. Die Koalition erklärte, sie habe „legitime militärische Ziele“ getroffen, die mit Bedrohungen der Handelsschifffahrt im Roten Meer in Verbindung stünden. Die Huthi warfen Riad hingegen vor, zivile Infrastruktur ins Visier genommen zu haben – darunter Einrichtungen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft sowie die Insel Kamaran. Nach Angaben der Huthi wurden dabei zwei Menschen verletzt. Die Miliz sprach von einer „gefährlichen Eskalation“ und drohte mit Vergeltung: Angriffe auf zivile Ziele würden „nicht ungestraft bleiben“.
Vorausgegangen waren Huthi-Angriffe auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer. Die Miliz hatte eine Seeblockade gegen saudische Schiffe verhängt und wirft dem Königreich „maritimen Terrorismus“ vor, während Riad seinerseits erklärte, es werde alles Notwendige zum Schutz seiner Schiffe tun.
Warum das Rote Meer für die Weltwirtschaft entscheidend ist
Für Saudi-Arabien, einen der weltgrößten Ölproduzenten, ist das Rote Meer zur wichtigen Ausweichroute geworden, seit der Iran die Straße von Hormuz nahezu vollständig blockiert. Das Königreich leitet täglich Millionen Barrel Öl über eine Pipeline zum Roten Meer um. Nun geraten mit der Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, auch dieser Weg unter Druck.
Durch die Meerenge Bab al-Mandab laufen rund zwölf Prozent des Welthandels, darunter ein Viertel des gesamten Containerverkehrs.
Über diese Route führt zugleich der Seeweg von Asien über den Suezkanal nach Europa. Trotz der Zuspitzung sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Versorgung in Deutschland und Europa weiterhin als stabil an: Rohöl sowie Mineralölprodukte wie Benzin und Diesel seien derzeit gesichert.
Was als Nächstes ansteht
Das US-Militär kündigte am Samstag erstmals seit 13 aufeinanderfolgenden Nächten keine neuen Angriffe auf den Iran an. Aus Teheran hieß es, das Land habe eine „friedliche Nacht“ erlebt. US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe noch keine Entscheidung über größere Angriffe getroffen: „Wir reden mit ihnen“, sagte er mit Blick auf den Iran, den er zunehmend als gesprächsbereit einstufte. Zugleich betonte er: „Wir haben geladen und entsichert. Wir sind bereit.“ Als rote Linie nannte er ein iranisches Atomwaffenprogramm.
Zuvor hatte Trump dem Iran und den Huthi eine „umfassende militärische Bestrafung“ angedroht.
Am Dienstag will Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus empfangen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Der irannische Außenminister Abbas Araghtschi rief indes zu „Diplomatie und Dialog“ auf, um den Jemen-Konflikt ohne „militärische Konfrontationen“ zu lösen.
Der seit Ende Februar andauernde Krieg dauert inzwischen fast fünf Monate. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden dabei allein im Iran mehr als 3400 Menschen getötet. Weltweit heizte der Konflikt die Inflation an und schürte Ängste vor einem wirtschaftlichen Abschwung.






























